Angewandte Schuppenkur

19. Oktober 2005, 14:59
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Ein Designwettbewerb will der vernachlässigten Familie der Garten- und Geräteschuppen endlich zu einem stilgerechten Auftritt verhelfen

Gartenhäuser sind Stiefkinder. Geräteschuppen auch. Ihre Architektenpapis und Architektenmamis behandeln sie in märchenhaftem Sinne meist nachlässig. Als geschrumpfte Billig- und Miniaturversionen von Tiroler Bauernhäusern samt Blumenkisten fristen sie oft halbherzig zusammengeschustert ihr Dasein in einer feuchten Ecke des Gartens. Als ihre Wohltäter fungieren nun insgesamt 30 Gestalter der Universität für angewandte Kunst - Designstudenten und -absolventen der vergangenen drei Jahre.

Wettbewerb

Im Rahmen eines Wettbewerbs in Kooperation mit Baumax und unterstützt vom deutschen Gartenhaus-Produzenten Weka nahm man die Ödnis in der Schuppenlandschaft zum Anlass und ersann allerlei Neues. Immerhin galt es neben der Mission, das vorgefertigte Gartenhaus von seinem Fluch der Missachtung zu befreien, auch 10.500 Euro Preisgelder einzuheimsen. Ob das eine oder andere Objekt des Wettbewerbs "Gezähmte Natur" tatsächlich produziert wird und den Einzug in Schrebergärten und andere Grünoasen schafft, bleib derweil noch ungewiss.

Der Projektleiter, Initiator, Uni-Assistent der Klasse Borek ípek und Industrie-designer Adam Wehsely-Swiczinsky über die Vorgaben des Projekts: "Das zu erarbeitende Objekt sollte unter anderem Do-it-yourself-Charakter aufweisen, das heißt von durchschnittlich talentierten Heimwerkern bewältigbar sein, Kompaktheit in Sachen Transportmöglichkeiten aufweisen, dem Preisdruck in diesem Segment nachgeben und die Grundfläche von 2,5 mal drei Metern nicht überschreiten." Klingt straight, herausgekommen sind jedoch Dinge, die die Gartenwelt noch nicht gesehen hat und auf große Experimentiergaudi der Gestalter schließen lassen.

"Grow your shed"

Nur nicht auffallen, dachte sich wahrscheinlich Florian Gsottbauer bei seinem Entwurf "Grow your shed", bei dem unter anderem einfache Kanthölzer als Eckpfeiler verwendet werden, eine stärkere Baufolie als Wasserschutz funktioniert, Filzbahnen als Wasserspeicher und Hasengitter als Halt für die Bepflanzung zum Einsatz kommen. Pflanzen aller Art werden zu den eigentlichen Fassaden dieses Gartenmöbels. Überdacht wird Gsottbauers Schuppen durch abgefalzte Blechwannen. Den Rest des Designs erledigt sozusagen die Natur, und davon sollte es im Garten ja genug geben. Dies könnte auch ein gut getarntes Statement betreffend die Tatsache sein, dass im Garten, einem Ort durchdachter Gestaltung, einem Platz des Sich-Entspannens und Sinnierens, gerade die architektonischen Leistungen im Vergleich zu längst vergangen Tagen im Großen und Ganzen den Bach runtergingen.

Im Vergleich zur erwähnten Architektur durch Natur kommt die Arbeit von Carolin Birner wie ein Schmuckkästchen daher. Ihr hölzernes Kleinhaus "E Quadrat" soll ganzjährig bewohnbar sein und ruht auf einer vorgefertigten, wärmegedämmten Riegelkonstruktion. Gedacht ist diese fast noble Hütte als ein Ort der Ruhe und Entspannung.

Unter dem Motto "Individualität statt Egalität" stellt Jakob Edlbacher seine Meisterleistung in Sachen Reduziertheit vor. Das Ding, das er "MYDCT" nennt, besteht aus einem einfachen Stecksystem aus PET-Recycling-Profilen. Die endgültige Stabilität wird durch eine außen liegende Gewebeplane erreicht, die sich je nach Gartenlust und Laune individuell bedrucken lässt.

Eher nicht so zum Ausnüchtern...

... oder Gästeeinquartieren eignet sich das Gartenstaumöbel "esta" von Therese Schillinger und Marcus Filgut. Dieses ist letztendlich nicht mehr als ein wohlgestalteter Aufbewahrungsort für Gartengerätschaften, der auch zum entspannten In-die-Luft-Schauen einlädt. Außerdem können, je nach Fürsorge für Gartengeräte, kleinere Schaufeln und Spaten auch außen an der Bank angebracht werden.

Wehsely-Swiczinsky zeigt sich mit den Ergebnissen zufrieden: "Vor allem der hohe grafische Anteil beeindruckt mich, die körperliche Reduziertheit und der erhalten gebliebene Designcharakter. Viele sind über das Haus hinweggegangen und sahen in Designmanier das Gartenhaus als industrialisiertes Gebrauchsgut, als eine Art überdimensionale Werkzeugkiste für den Garten." In diesem Sinne entwarf Philipp Brandstätter seine "Toolbox-x", die auch als begehbare Kleinwerkstatt und Lagerstätte gedacht ist. Das formal reduzierte Stahlrahmenobjekt besteht aus zwei geschlossenen Teilen, die im Dienste einer großzügigen Lichtdurchflutung mittels eines Bandes aus Plexiglas verbunden sind. Die Elemente sind aufschwenkbar, wodurch unterschiedliche Raumsituationen erzeugt werden können, vom Stauraum bis zum Erholungsheimchen.

Leider ist hier nicht der Platz

... auch all die anderen Gedanken und Entwürfe vorzustellen - die Chance, das eine oder andere Gartenhaus in einem Prospekt oder gar im Handel wiederzufinden, schätzt Adam Wehsely-Swiczinsky so ein: "Es ist nicht leicht vorauszusehen, wie schwer sich der Kunde und Produzent vom rustikalen Tirolerhof-Häuschen verabschieden werden. Man wird sehen." Im Prinzip muss es ja nicht gleich ein Abschied sein, schön wäre es aber, wenn auch das Stiefkind Gartenhaus Chance auf eine glückliche, sprich: wohlgeformte Zukunft hätte. Die beiden Siegerprojekte sowie der Anerkennungspreis der Jury werden in einer der nächsten Ausgaben des RONDO vorgestellt.
(Michael Hausenblas/Der Standard/rondo/15/04/2004)

Infos über die Projekte der Industriedesigner-Schmiede ID² der Universität für angewandte Kunst unter Leitung von Borek ípek und die Gartenhäuschen unter: Industrialdesign
  • Jakob Edlbachers "MYDCT"
    foto: designer

    Jakob Edlbachers "MYDCT"

  • "E Uadrat" von Carolin Birner
    foto: designer

    "E Uadrat" von Carolin Birner

  • Die "Toolbox-x" von Philipp Brandstätter
    foto: designer

    Die "Toolbox-x" von Philipp Brandstätter

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