Kenesei schwärzt die Grünen an

13. April 2005, 19:50
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Die Wiener ÖVP und ihr neuer ex-grüner Mandatar verschärfen die Gangart - Die Grünen reagieren auf die Angriffe aber mit Zurückhaltung

Wien - Die Attacken des von den Grünen zur Wiener ÖVP gewechselten Günter Kenesei nehmen Formen an, die an die Brutalität von Simmering gegen Kapfenberg erinnern.

Auf der Homepage der Wiener ÖVP tauchte eine "Sondernummer" der Stadt.blicke auf, wo Kenesei im Interview erklärt: "Die ,Realos' haben bei den Wiener Grünen zunehmend an Boden verloren . . . Die Wiener Grünen sind nach links außen abgedriftet und dieser radikale Linksruck verrät die grünen Ideale."

Mehr noch: "Die Wiener Grünen haben sich kontinuierlich von ihrem positiven Ausgangspunkt wegentwickelt: Von einer innovativen, aufgeschlossenen und eher toleranten Neu-Partei zu einer immer intoleranteren, dogmatischen und rückwärtsgewandten Partei." Sie seien "zum weit links angesiedelten Steigbügelhalter der Wiener SPÖ geworden".

Wasser auf die Mühlen der VP-Strategen. Die legten am Mittwoch schnell nach: Kenesei habe mit den Grünen brechen müssen, weil er in der "links-grün-fundamentalistisch ausgerichteten Truppe keine Zukunft" sah, so ÖVP-General Reinhold Lopatka.

Bei den Grünen bleibt man trotz der wüsten Attacke der ausgegebenen Linie treu: kein Schmutzkübel gegen Kenesei. Christoph Chorherr, in ÖVP-Diktion ein "Realo": "Wir sind übereingekommen, das nicht zu kommentieren. Bei diesen Aussagen fällt mir das jetzt außerordentlich schwer."

Zurückhaltend gab sich auch Bundessprecher Alexander Van der Bellen, der den "Kampf um Platz zwei" in Wien für eröffnet erklärte: Wenn die Volkspartei glaube, Hilfe von außen nötig zu haben, solle sie es ruhig probieren. Die Kritik an der vermeintlich zu linken Kandidatenauswahl bei den Stadtgrünen wies er zurück: "Wir sind sehr gut aufgestellt."

Andere in der Wiener Landesgruppe tun sich schwerer in der Beurteilung: Martin Margulies, dem linken Lager zugerechnet, zeigt sich "persönlich enttäuscht" und wundert sich über Kenesei: "Zwischen uns und der ÖVP liegen doch Welten, sei es in Integrationsfragen, in der Sozialpolitik oder in Sachen Ökologie."

Koreanisches Sticheln

Dass dieser die Wiener Landesversammlung mit Verhältnissen in Nordkorea verglichen hat, ist aber zu viel, um nicht doch zu sticheln: "Dort haben zirka 400 Leute ihre Kandidaten gewählt. Und er bekommt vom Wiener VP-Chef ein Mandat geschenkt. Das soll in Ordnung sein?" Dass der Wechsel Auswirkungen auf die Wien-Wahlen haben könnte, glaubt er nicht.

Hinter vorgehaltener Hand befindet man im Klub, dass sich Kenesei mit seinen Aussagen vor allem selbst schade: "Man liebt den Verrat, aber nicht den Verräter."

Dass Kenesei auf der ÖVP-Homepage sogar als "Aufdecker" vom "Pflegeheimskandal Lainz im AKH" gefeiert wird, löst im Grünen Klub allerdings nur noch Kopfschütteln aus. Allen voran ist die Gemeinderätin Sigrid Pilz am Schütteln - sie hatte zumindest den "Pflegeskandal" in Lainz aufgedeckt. Und das mit dem AKH-Skandal war eigentlich schon lang vor Keneseis und Pilzens Zeit. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.04.2005)

Von Peter Mayr, Roman David-Freihsl
  • Kenesei (li.) mit seinem neuen Chef "Gio" Hahn.
    foto: standard/corn heribert

    Kenesei (li.) mit seinem neuen Chef "Gio" Hahn.

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