Specht: "Sympathie für eine Schule für alle"

25. Oktober 2006, 14:00
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Werner Specht, Mitglied der Zukunftskommission, plädiert im Gespräch mit Karin Moser für eine rasche Umsetzung der Expertenvorschläge - inklusive Gesamtschule und Kurssystem.

STANDARD: Der Unterricht scheint für die Kommission die zentrale Variable zur Schulreform zu sein. Wie kann der Unterricht verbessert werden?

Specht: Das können nur die Lehrer. Aber man kann verbesserte Rahmenbedingungen schaffen. Und die haben wir vorgeschlagen. Abzielend auf Förderung, Selbstreflexion und Selbstevaluation. Lehrer sollen nicht darauf schauen, mit ihrem Stoff durchzukommen, sondern darauf, was die Schüler gelernt haben. Unsere Zielrichtung ist die Verstärkung der Förderungsorientierung gegenüber der Auslese.

STANDARD: Haben Sie das Gefühl, dass die Lehrer bei diesen Plänen mitgehen?

Specht: Natürlich gibt es hier Probleme und natürlich muss hier erst einmal Überzeugungsarbeit geleistet werden. Bei den Kollegen in den Schulen ist die Resistenz meines Erachtens sehr viel geringer als bei den Standesvertretern.

STANDARD: Die Kommission hat immer wieder Sympathie für das Gesamtschulmodell gezeigt. Ist das realistisch?

Specht: Die Sympathie ist da, aber eine Sympathie für große Lösungen. Also wirklich für eine Schule für alle - von den Hochbegabten bis zu den Behinderten. Mit einer internen Differenzierung und nicht als Angebotsschule, die von Gymnasien konterkariert wird.

STANDARD: Sympathie auch für ein Oberstufen-Kurssystem?

Specht: Wir halten die Problematik des Sitzenbleibens für eine Vergeudung von Ressourcen. Das muss unter allen Umständen so weit wie möglich eingeschränkt werden. Wir haben das Kurssystem vorgeschlagen, wo einzelne Fächer wiederholt werden müssen und nicht ganze Jahre. Denn das ist eine unglaubliche Vergeudung - von Lebenszeit und von materiellen Ressourcen.

STANDARD: Das wäre ein politisch harter Brocken. Wie groß ist die Chance auf Umsetzung?

Specht: Die Frau Minister hat gerade ein Handlungskonzept vorgestellt, das für mich sehr ermutigend geklungen hat. So, als wäre man ernsthaft interessiert, wirklich konkrete Umsetzungsschritte zu leisten.

STANDARD: Den wirklich heiklen Job nimmt Ihnen die geplante Strukturkommission ab.

Specht: Das stimmt. Klar ist, dass eine Strukturreform auf einem hohen Bewusstsein für die Notwendigkeit solcher Maßnahmen beruhen muss.

STANDARD: Wie soll es jetzt weitergehen?

Specht: Wichtig ist, dass viele Dinge, über die jetzt schon zehn Jahre lang diskutiert wird, eine gesetzliche und institutionelle Basis finden und damit verbindlich abgesichert werden. Ich erwarte mir, dass das möglichst rasch geschieht.

(DER STANDARD-Print, 14.4.05)

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