Ein Traum mit Schrecksekunde

19. April 2005, 19:55
4 Postings

Ein Abend voller Zuspruch: Die Band Son, Ambulance aus Omaha/Nebraska gastierte in Wien im WuK

Wien - "Do you think our drummer, John, looks sexy with his shirt off?" An einem Abend voller Zuspruch war das der vielleicht einzige Moment, in dem ein sonst gerne gegebenes "Yeah!" vermessen gewirkt hätte. Immerhin sitzen Schlagzeuger bei ihrem Tun, und so kommt es zu einem von der Natur der Beugung hervorgerufenen Bauchfaltenwurf, der sich bei dem so von Sänger Joe Knapp adressierten "John" auch im Stehen bestätigen sollte.

Abseits solch profaner Scherze wirkte mit dem US-Quintett Son, Ambulance am Dienstag eine Band auf der Bühne des Wiener WUK, die vollends überzeugte. Immerhin steht man dieser Tage ja eher selten im Saal, ohne dass einem angesichts des Gebotenen sofort ein gelangweiltes "Klingt wie ..." entfährt.

Son, Ambulance - mit einem bedeutungsschweren Beistrich im Namen - ließ dieses "Klingt wie ..." nicht zu. Zumindest nicht treffsicher. Würde man von den 90-Jahre-Heiligen Pavement ohne ihr dekonstruktivistisches Moment sprechen ... Lassen wir das. Der auf dem vor allem wegen der Formation Bright Eyes bekannten Label Saddle Creek veröffentlichenden Band widerführe so keine Gerechtigkeit. Das auf die Kraft einer stark in den Raum gemischten Rhythmusfraktion bauende Kollektiv aus Omaha, Nebraska, präsentierte eine Lehrstunde aus präzisem Spiel und aus diesem immer wieder beherrscht ausbrechenden Energieschüben, die von Joe Knapp an Stimme und Gitarre sowie seinem Bruder Daniel am Keyboard souverän in die Songs zurückgeführt wurden.

Das oft mit Halleffekt belegte und so als atmosphärischer Kontrapunkt zum dominanten Schlagzeug und Bass eingesetzte Piano verlieh den großteils melancholisch gefärbten und gerne jenseits der Fünf-Minuten-Grenze angesiedelten Songs eine Leichtigkeit, wie sie zuletzt - auch nur so ein einbeiniger Vergleich - die Jayhawks generierten.

Bis zu jener Schrecksekunde, in der Knapp, Knapp und Co nach einer - ja - knappen Dreiviertelstunde von der Bühne gingen. So nicht, dachte das Publikum - und forderte lautstark Zugaben, die, dadurch mit neuer Arbeitsmoral ausgestattet, bereitwillig gegeben wurden. Son, Ambulance gelang es so, ihr sehr gutes Album "Key" (Vertrieb: Ixthuluh) nicht nur adäquat, sondern in die Vorlage sogar übertreffender Art aufzuführen. Spitzenkonzert, tolle Band! (flu/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.4.2005)

  • Son Ambulance Key(Indigo)
    foto: indigo

    Son Ambulance
    Key
    (Indigo)

Share if you care.