60 Jahre SPÖ: Der weite Weg in das politische Zentrum

13. April 2005, 18:23
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Vor 60 Jahren wurde die SPÖ im Roten Salon des Rathauses wiederbegründet

Wien - Die Schlacht um Wien dauerte acht Tage und endete am 13. April 1945 mit der Niederlage und Flucht der deutschen Truppen aus Wien. Schon einen Tag später folgte die Neugründung der SPÖ durch den Zusammenschluss von Sozialdemokraten und Revolutionären Sozialisten, Adolf Schärf wurde zum provisorische Parteivorsitzenden bestellt.

Die Vertreter der alten, 1934 verbotenen SDAP und der Revolutionären Sozialisten, die gerade erst aus der Illegalität aufgetaucht waren, trafen sich am 14. April bezeichnenderweise im Roten Salon des Wiener Rathauses, um die "Sozialistische Partei Österreichs" wiederzubegründen.

Was vor allem in den folgenden Jahren nach der Bildung der ersten großen Koalition zwischen ÖVP und SPÖ im November 1945 folgte, wird in der Literatur vorzugsweise als Versöhnung im "Geist der Lagerstraße" beschrieben. Die ehemaligen Gegner, die sich 1934 noch wütend bekämpft hatten und von denen sich viele nach der Machtübernahme der Nazis Seite an Seite in den Konzentrationslagern wiederfanden, erprobten jetzt den mühsamen Weg demokratischer Kompromissfindung. Und probten erfolgreich: Der Wiederaufbau des Landes wäre ohne die Disziplin (heute würde man Handschlagqualität dazu sagen) undenkbar gewesen, mit der sich die Sozialpartner an die ausgehandelten Lohn-Preis-Abkommen hielten.

Doch obwohl dieser Geist stark genug war, um von 1945 bis 1966 für stabile Verhältnisse in Form einer von der ÖVP dominierten großen schwarz-roten Koalition zu sorgen, waren die alten Wunden längst nicht verheilt. Noch ehe im Zug der Amnestien für belastete und minder belastete Nationalsozialisten - die von der ersten Wahl 1945 noch ausgeschlossen waren - das große Werben um diese Gruppe begann, schlugen einander SPÖ und ÖVP die alten Verdächtigungen und Vorwürfe um die Ohren. Im ersten Wahlkampf rückte die SPÖ den späteren Koalitionspartner in die Nähe des Austrofaschismus und musste sich gefallen lassen, als Brückenbauerin zum Stalinismus dargestellt zu werden.

Grenze nach links

Tatsächlich hatte die SPÖ mit dem Problem zu kämpfen, sich möglichst klar von den Kommunisten zu distanzieren, ohne ihren linken Flügel und - viel heikler - die sowjetische Besatzungsmacht zu verprellen.Die Klärung zugunsten der "pragmatischen" SPler vollzog sich spätestens in der Streikwelle, die im Herbst 1950 gegen das vierte Lohn-Preis-Abkommen losbrach. Bis heute streiten Historiker, wie groß die Gefahr eines kommunistischen Putsches wirklich war, die der machtbewusste junge Gewerkschafter Franz Olah mit seinen Bauarbeitern niederzuknüppeln bereit war.

Tatsächlich markierte das Ende der Oktoberstreiks auch den Anfang vom Ende der Kommunisten, und die SPÖ schien auch ideologisch endgültig in ruhigerem Fahrwasser angelangt. Bis 1964 ebenjener Franz Olah der Partei die bisher schwerste Krise ihrer Nachkriegsgeschichte bescherte. Olahs Manipulationen mit Gewerkschaftsgeldern, die die Gründung der Kronen Zeitung ermöglichten, führten 1964 zunächst zum Parteiausschluss und fünf Jahre später zu seiner Verurteilung zu einem Jahr Kerker. Die SPÖ kostete der "Fall Olah" 1966 die Regierungsbeteiligung. Den Kampf um die Parteiführung entschied dann Bruno Kreisky gegen Bruno Pittermann für sich.

Kreisky vollzog auch programmatisch sichtbar den endgültigen Bruch mit der Parteilinken. Hatte man 1966 eine versteckte Wahlempfehlung der Kommunisten noch akzeptiert, so setzte Kreisky noch vor der Öffnung zur ÖVP einen deutlichen Akzent: In der Eisenstädter Erklärung von 1969 bezeichnete sich die SPÖ als "unbeugsame und kompromisslose Gegnerin" des Faschismus und Kommunismus. Mit der "roten Katze" sollte keine Partei mehr in den Wahlkampf gegen die SPÖ ziehen. Danach distanzierte sich mit Franz Vranitzky nur noch ein Parteichef so klar von einer anderen Partei und musste dafür als Haider-Ausgrenzer Kritik aus den eigenen Reihen hinnehmen - allerdings erst, als seine Ära zu Ende ging. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.04.2005)

Von Samo Kobenter
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