IWF: Weltwirtschaft wächst 4,3 Prozent - Europa enttäuscht

2. Mai 2005, 12:11
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Hohe Ölpreise und wachsende Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft dämpfen Wachstumsprognose

Washington - Hohe Ölpreise und wachsende Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft haben die Wachstumserwartungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für viele Länder deutlich gedämpft.

Nur dank des "Musterknaben" USA, der die Erwartungen erneut übertrifft, und solider Wachstumsdaten aus China blieb der IWF in seiner Prognose für das Weltwirtschaftswachstum 2005 bei 4,3 Prozent.

Die Organisation zeigte sich besonders enttäuscht von der Entwicklung in Europa und Japan und schraubte die Erwartungen für die meisten Länder zurück, für Deutschland um 1,0 Prozentpunkte auf 0,8 Prozent.

Euro-Zone mit schwachem Aufschwung

Für die Euro-Zone bleibt der IWF sehr zurückhaltend: "Es zeigen sich zwar zarte Anzeichen für Wachstum, aber der Aufschwung 2005 wird deutlich schwächer als bisher angenommen". Besonders in Deutschland, wo das Wachstum zu drei Viertel vom Export abhänge, müsse dringend die Binnennachfrage angekurbelt werden.

Die Ölpreise seien ein Risiko für die Weltkonjunktur. Bei historisch niedriger Reservekapazität und wachsendem Bedarf vor allem in China und Indien bleibe der Markt auf absehbare Zeit angespannt. Der IWF hält einen Preis von 54 Dollar (41,8 Euro) pro Barrel in diesem Jahr für realistisch.

US-Leistungsbilanzdefizit bereitet Sorgen

Mit Sorge sieht der IWF das wachsende US-Leistungsbilanzdefizit, das 2004 den Rekord von 5,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erreichte. "Bei einem auf Rekordhöhe verharrenden US-Defizit ist ein weiterer, möglicherweise scharfer Dollarrutsch nicht auszuschließen."

Der IWF vermisst den politischen Willen, daran zu arbeiten. "Die Gefahr ist, dass die Konsequenzen erst noch viel deutlicher und schmerzhafter werden müssen, ehe der nötige Wille gefunden wird, etwas zu tun", schrieb der Chefökonom, Raghumran Rajan.

Der IWF mahnt die USA, die Sparrate zu erhöhen. Er ist skeptisch, dass das versprochene Ziel, das Haushaltsdefizit (2004: 3,6 Prozent des BIP) bis 2009 auf die Hälfte zu reduzieren, überhaupt erreicht wird. Und selbst das sei nicht ehrgeizig genug.

Asiatische Länder, die enorme Leistungsbilanzüberschüsse haben, forderte er auf, ihre Währungen aufzuwerten. Europa müsse die Strukturreformen vorantreiben. In der Euro-Zone könne eine Senkung der Leitzinsen angebracht sein, wenn sich der Aufschwung nicht einstellt.

Deutschland und Japan schwächeln

Der IWF rechnet in Deutschland mit einem Wachstum von 0,8 Prozent in diesem und 1,9 Prozent im nächsten Jahr, genauso wie in Japan. Für Japan nahm er die Prognose 2005 um 1,5 Prozentpunkte zurück.

In den USA erwartet er 3,6 (plus 0,1) in diesem und im nächsten Jahr. In Russland rechnet er mit einer Abkühlung auf 6,0 Prozent (minus 0,6) in diesem Jahr und 5,5 Prozent 2006, in China mit 8,5 Prozent (plus 1,0) und danach 8,0 Prozent. Weltweit rechnet der IWF im nächsten Jahr mit 4,4 Prozent Wachstum. (APA)

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