Verzweifelte Redakteure

17. Mai 2005, 20:46
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Ich war im Fernsehen - Pro Sieben bat um ein Interview zum Start von "Desperate Housewives" - Das Ergebnis: schockierend ...

Hat jemand Dienstagabend Pro-Sieben-Nachrichten gesehen? Niemand? Wie schade, ich war nämlich im Fernsehen. Der Sender bat um ein Interview zum Serienstart von Desperate Housewives. Was über den "Medienhype" in Amerika zu sagen sei, ob sich Ähnliches in Österreich ereignen könnte und ob es verzweifelte Hausfrauen auch unter uns gebe? Ich beantwortete Frage um Frage brav und mit ehrlicher Überzeugung.

Dass der Hype sich bei Pro Sieben in überschaubaren Grenzen halten wird, auch weil der ORF nun schon zwei Folgen voraus ist, verschwieg ich gnädig. Die Redakteure beim kleinen Pro Sieben Österreich haben's schwer. So tat ich, wie mir geheißen: legte die Brille ab und las "wegen der Anmoderation" – sehr sinnig – den STANDARD.

Das Ergebnis: schockierend

Das Ergebnis: schockierend. Ganz abgesehen davon, dass ich entsetzt war über meinen blassen Teint, sprach ich mit einem Ausdruck, als ginge es ums Papstbegräbnis. Andererseits war beides nur für besonders kritische Zuschauer zu bemerken, nämlich genau so lange, wie es dauert, den Satz zu sagen: ",Desperate Housewives‘ zeigt, wie Carrie Bradshaw in zehn Jahren sein könnte."

Stimmt schon, es war lustiger, die real existierende verzweifelte Hausfrau zu zeigen. Selbst wenn die anonym bleiben wollte: Zu sehen war ihr Hinterkopf, zu hören ihre entstellte Stimme. Gemeinsam mit meinem mäßig geistvollen Satz ergab das einen seltsam trashigen Beitrag. Ich habe zuvor niemandem davon erzählt. Eine Taktik, die ich in Zukunft beibehalten werde. (prie/DER STANDARD; Printausgabe, 14.4.2005)

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    foto: orf
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