Bessere Osteoporose-Behandlung durch neues Medikament

20. April 2005, 12:12
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Strontiumranelat hemmt den Knochenabbau und fördert den Aufbau an Knochenmasse

Wien - Jede dritte Frau über 50 und jeder achte Mann in dieser Altersklasse leidet an krankhaftem Knochenabbau, der Osteoporose. Seitdem die Hormonersatztherapie für Frauen in der Menopause wegen ihrer Nebenwirkungen in Verruf gekommen ist, gibt es vermehrte Anstrengungen, andere Wirkprinzipien gegen die Erkrankung zu entwickeln. Nach den Bisphosphonaten als "Knochenhärter" und dem Parathormhon existiert jetzt mit der Substanz Strontiumranelat ("Protelos") ein neues Medikament, das sowohl den Knochenabbau hemmt als auch den Aufbau an Knochenmasse fördert, erklärten am Mittwoch Fachleute bei einer Pressekonferenz in Wien.

"70 Prozent der Frauen über 80 haben Osteoporose. Damit ist eine sehr hohe Mortalität und Morbidität (Krankheitssymptome, Anm.) verbunden. Ein Viertel der Betroffenen hat Verkrümmungen der Wirbelsäule, bei 15 Prozent kommt es zu Hüftgelenksfrakturen. In Österreich sind darauf pro Jahr mehr als 11.000 Spitalsaufenthalte zurückzuführen. Von diesen Patienten sterben etwa sieben Prozent", erklärte die Wiener Sozialmedizinerin Univ.-Prof. Dr. Anita Rieder. Insgesamt ist in Österreich von jährlich etwa 52.000 Wirbelkörpereinbrüchen und etwa 12.000 Schenkelhalsbrüchen auszugehen. In Österreich geht man von Kosten von rund 70 Millionen Euro pro Jahr aus. In den USA sollen die jährlichen Aufwendungen etwa zehn Milliarden Euro betragen.

Therapieansätze

Nach Fluoriden, dem Fischhormon Calcitonin und der Hormonersatztherapie, die ein vermehrtes Brustkrebs-, Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko bedingt, sind in den vergangenen Jahren die Bisphosphonate als "Knochenhärter" zur Therapie der ersten Wahl geworden. Sie blockieren jene Zellen, welche Knochenmasse abbauten (Osteoklasten). Zusätzlich sollten Kalzium (1.000 Milligramm) und Vitamin D (800 Einheiten) täglich eingenommen werden. Die neuere Wirksubstanz Parathormon führt zu einem vermehrten Knochenaufbau. Das Strontium hingegen wirkt auf zwei Ebenen: Es blockiert die Bildung von Osteoklasten ("Knochenfress-Zellen") und erhöht gleichzeitig die Zahl der Knochen-aufbauenden Zellen (Osteoblasten).

"Das Therapieziel ist eine Senkung der Häufigkeit von Frakturen", sagte Univ.-Prof. Dr. Johann Bröll, Vorstand der 2. Medizinischen Abteilung am Kaiser-Franz-Josef Spital in Wien. Laut einer klinischen Studie mit 1.649 Probandinnen mit Osteoporose und bereits eingetretenen Wirbelbrüchen konnte mit dem Medikament innerhalb von drei Jahren eine Senkung der weiteren Frakturhäufigkeit um 41 Prozent erreicht werden.

"Strontium soll einen Verkalkungsprozess (der Knochen, Anm.) in Gang setzen. Damit kann man schon innerhalb eines Jahres das Risiko für Wirbelfrakturen um 49 Prozent verringern. Strontiumranelat reduziert das Risiko für Hüftfrakturen signifikant um 36 Prozent", sagte Univ.-Prof. Dr. Heinrich Resch, Osteoporosespezialist am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien. Zum Einsatz sollte das neue Medikament am ehesten kommen, wenn von den Betroffenen die Bisphosphonate nicht vertragen werden oder diese Medikamente nicht ausreichend gewirkt haben.(APA)

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