Jeder fünfte Bauer findet keinen Nachfolger

2. Mai 2005, 11:26
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Vor allem kleinere Betriebe betroffen - Jungbauern fordern Unterstützung bei Ausbildung, Beratung, Finanzierung

Wien - Die Hofübergabe bei den heimischen Agrarbetrieben ist alles andere als gesichert. Jeder fünfte Betrieb (18,5 Prozent) - das sind knapp 40.000 Landwirtschaften - steht vor dem Problem, keinen Nachfolger zu haben.

Nur knapp die Hälfte der Betriebe (45,3 Prozent) gab bei einer am Mittwoch bei einer Pressekonferenz präsentierten Studie an, die Nachfolge bereits geregelt zu haben. Mehr als ein Drittel der Agrarbetriebe (36,2 Prozent) hat einen Nachfolger in Aussicht. Die Studie war im Auftrag der Bauernbund-Jugend im ersten Halbjahr 2003 erstellt worden.

Vor allem kleine Betriebe betroffen

Betroffen vom Nachfolgeproblem sind vor allem kleine Betriebe. "Größere Agrarbetriebe mit mehr als 40 Hektar Flächen haben eher einen Nachfolger", bestätigte dazu auch der Obmann der Bauernbund-Jugend, Martin Wetschka. Hier sei die Hofübergabe zu 90 Prozent gesichert.

Überraschend war laut Jungbauern, dass es in Berggebieten eher die Bereitschaft gibt, einen Betrieb weiterführen zu wollen, als im Flachland. Vor allem bei Milchbauern gebe es eine gute Nachfolge-Sicherheit, so Wetschka. Etwa drei Viertel der Landwirtschaften werde an den Sohn weiter gegeben, nur knapp ein Fünftel an die Tochter.

Das durchschnittliche Alter der potenziellen Hofnachfolger liegt laut Studie bei 23,5 Jahren, tatsächlich übernommen wird der Betrieb aber erst mit 31 Jahren, hieß es. Österreich liege jedenfalls im EU-Vergleich gut: die Betriebsleiter sind hier zu Lande zwischen 35 und 50 Jahre alt, der EU-Durchschnitt liegt bei 55 Jahren.

Bestandsaufnahme

Die Jungbauern zeigten sich von der "großen Übergabesicherheit überrascht", zumal die Zahl der Betriebe ja stetig abnehme, so Wetschka. In diesem Sinne sei die Studie "kein Alarmzeichen" gewesen, sondern eine Bestandsaufnahme, aus der nun politische Forderungen abgeleitet würden.

Daher werde der Bauernbund künftig Unterstützung in den Bereichen Ausbildung, Beratung und Finanzierung - Stichwort Investitionsprämie - anbieten. Gefordert sei zudem eine Entbürokratisierung bei der Betriebsübernahme.

Keine Ermutigung innerhalb der Familie

Als Gründe, dass sich jemand gegen eine Hofübernahme entscheidet, nannten die Jungbauern, dass es oft innerhalb der Familie keine Ermutigung zur Betriebsübernahme gebe und viel gejammert werde.

Ein potenzieller Nachfolger bewege sich während der Ausbildung oft in einem nicht-agrarischen Umfeld und entscheide sich für einen anderen Beruf. Nach wie vor spiele auch oft der Partner nicht mit. Wirtschaftliche Gründe seien meist nicht ausschlaggebend, hieß es.

Nicht berücksichtigt bei der Studie wurden aber die Auswirkungen der nun anlaufenden EU-Agrarreform. Diese seien zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht abzusehen gewesen. (APA)

  • Für jeden fünften Bauernhof findet sich kein Jungbauer.
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    Für jeden fünften Bauernhof findet sich kein Jungbauer.

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