AMS bekommt 100 neue Mitarbeiter

13. April 2005, 19:34
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Arbeits­markt­gipfel: WKÖ zeigt sich zufrieden, ÖGB eher enttäuscht - Ge­spräche werden auf Bezirksebene weitergeführt

Wien - Das Arbeitsmarktservice (AMS) bekommt 100 neue Mitarbeiter, weitere 250 werden intern umstrukturiert und es soll künftig Arbeitsmarkt-Gipfel auf Bezirksebene geben.

Darauf haben sich am Mittwochvormittag Sozialpartner und Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) beim Arbeitsmarkt-Gipfeltreffen im Wirtschaftsministerium geeinigt.

Für die Aufstockung des Beratungs- und Vermittlungsangebotes des AMS werden vom Wirtschaftsministerium 15 Mio. Euro aus Reserven locker gemacht. Dies soll 15 Prozent mehr Servicearbeit für Arbeitslose bringen und die Arbeitslosenrate um 0,5 bis 1 Prozent reduzieren, erklärte Bartenstein nach dem Ende der Veranstaltung. Er schränkte aber ein, dass das AMS fehlendes Wachstum nicht ersetzen könne.

Geld für Lehrstellenagebote

Weiters kündigte der Wirtschafts- und Arbeitsminister an, künftig mehr Geld für Lehrstellenagebote einsetzen zu wollen. Dafür und für Schulungsmaßnahmen sei jedoch "viel Geld" erforderlich.

Darum wird sich Bartenstein nach eigenen Angaben diesbezüglich auch an Finanzminister Karl-Heinz Grasser wenden. Welche Summen erforderlich sind, wollte Bartenstein nicht konkretisieren.

Ziel der Regierung sei es, dass jeder Lehrstellensuchende auch einen Arbeitsplatz findet. Dazu soll es neue Lehrgangsplätze geben, mit den derzeit 8.000 kommt man laut Bartenstein nicht aus.

Außerdem werde es finanzielle Anreize für Betriebe geben, die im Herbst neue Lehrlinge beschäftigen. Weiters soll es ein Schulungsangebot für Jugendliche ohne Hauptschulabschulabschluss geben. Dies seien immerhin rund 13.000 Menschen in Österreich.

Mindestlohn bleibt Kollektivvertragsangelegenheit

In der Frage eines Mindestlohnes von 1.000 Euro im Monat sind die Gipfelteilnehmer übereingekommen, diesen auf Kollektivvertragsbasis und nicht gesetzlich zu regeln. In einigen Ausnahmen könne jedoch ein "Fein-Tuning" der Gesetzeslage notwendig sein, erklärte Bartenstein.

Leitl zufrieden

Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl zeigte sich nach dem Gipfel hochzufrieden über eine Einigung zu weiteren Gipfeltreffen. Man habe sich geeinigt, dass Sozialpartner, AMS und Bildungseinrichtungen nun auf Bezirksebene weiter tagen.

Den Einwand, dass Gipfeltreffen alleine keine Arbeit schaffen, begegnete Leitl mit dem Argument, dass Arbeitsplätze nicht im Bund, sondern in den Bezirken und Gemeinden entstünden.

Leitl betonte, dass Ausbildung und der Infrastrukturausbau wesentliche Faktoren für neue Arbeitsplätze seien. In diesem Sinne soll es nächste Woche ein Treffen von Sozialpartnern mit Vizekanzler Infrastrukturminister Hubert Gorbach geben, dessen Erscheinen von den Arbeitnehmervertretern eigentlich schon für heute erwartet wurde.

ÖGB fordert Kaufkraftstärkung

Nicht ganz so zufrieden wie Bartenstein und Leitl zeigte sich der Leitende ÖGB-Sekretär Richard Leutner. Er forderte neben dem verstärkten Ausbau der Infrastruktur auch eine Steuerreform für kleine und mittlere Einkommen um die Kaufkraft zu stärken. Dass bei Infrastrukturinvestitionen auch ausländische Firmen zum Zug kommen können, sieht er nicht als Problem. Hier wären die heimischen Unternehmen gut aufgestellt, um sich im europäischen Wettbewerb zu behaupten.

Wortkarg gab sich IV-Chef Veit Sorger. Er meinte lediglich: "Hauptsache wir diskutieren und alle ziehen an einem Strang." Was das Land brauche, sei mehr Wachstum durch eine Entbürokratisierung und mehr unternehmerischen Mut. (APA)

  • ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch und Wirtschaftsminister Martin Bartenstein waren sich über die ernste Situation am Arbeitsmarkt einig.
    foto: der standard/christian fischer

    ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch und Wirtschaftsminister Martin Bartenstein waren sich über die ernste Situation am Arbeitsmarkt einig.

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