Gehrer: "Road map" zur Umsetzung

25. Oktober 2006, 14:03
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Viele Empfehlungen sollen in den kommenden zwei Jahren umgesetzt werden - Zuständig soll dafür eine neue "Strukturkommission" sein

Mit zum Teil brisanten Vorschlägen wartet die Zukunftskommission für das Schulwesen in ihrem heute, Mittwoch, präsentierten Endbericht auf.

"Arbeitspakete"

Unter anderem schlägt die vom Salzburger Erziehungswissenschafter Günter Haider geleitete Expertengruppe ein Einschränken des Sitzenbleibens unter bestimmten Bedingungen, die Einführung eines Kurssystems in der AHS-Oberstufe und eine gemeinsame Ausbildung für alle Pädagogen vor. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) kündigte eine "Road Map" für die Umsetzung einzelner Vorschläge an - in acht "Arbeitspaketen" sollen viele der Empfehlungen in den kommenden beiden Jahren umgesetzt werden.

Sitzenbleiben nur mehr selten

Beim viel diskutierten Punkt "Sitzenbleiben" schlägt die Kommission für die Volks- und Hauptschule vor, durch Lehrplanumstufungen in einzelnen Gegenständen ("Förderlehrpläne") und die Konzentration pädagogischer Maßnahmen wie spezielle Kurse in bestimmten Fächern unter Reduktion der Leistungsanforderungen in anderen Bereichen die Zahl der Repetenten zu verringern. Werden diese Maßnahmen gesetzt, soll das Sitzenbleiben nur mehr auf Antrag der Erziehungsberechtigten durch Konferenzbeschluss möglich sein. In der AHS-Unterstufe bliebe die derzeitige Regelung aufrecht, in der AHS-Oberstufe soll es ein Kurssystem geben.

Neue Kommission geplant

Die Frage der Gesamtschule wurde vertagt: Für schulorganisatorische Maßnahmen empfahl die Zukunftskommission die Einsetzung einer "Strukturkommission", die Gehrer demnächst etablieren will. Erste Ergebnisse sollen noch in dieser Legislaturperiode vorliegen, Entscheidungen über Strukturänderungen aber erst in der nächsten Legislaturperiode fallen. Die Kommission habe "gewisse Sympathien für das finnische Modell" der Gesamtschule mit individueller Förderung und umfassender Integration, so Kommission-Mitglied Werner Specht. Gleichzeitig sei man aber der Ansicht, dass es sinnlos sei, ein Bildungssystem eins zu eins zu kopieren.

Nationaler Konsensus

Für die Einführung der Gesamtschule müsse es einen derzeit nicht vorhandenen nationalen Konsens geben, so Specht. Ansonsten würden die pädagogischen Vorteile dieses Modells auf Grund der Widerstände dagegen wieder verschwinden. Generell sei das finnische Modell "pädagogisch wünschenswert", in Österreich habe man aber nicht die Traditionen dafür. Keinesfalls wünschenswert sei die Einführung einer "Gesamtschule light" mit punktuellen Schulversuchen oder einem parallelen Angebot von Gymnasien. (APA)

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