"Die Karriere" ist männlich

18. Mai 2005, 17:57
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Nationalratspräsidentin Prammer: Unigesetz hat Situation dramatisch verschärft - Evaluierung auf Geschlchtertauglichkeit gefordert

Wien - "Die Karriere" ist männlich. Noch immer. Im Allgemeinen und in der Wissenschaft ganz besonders. Je höher es auf der Karriereleiter hinaufgeht, umso geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass Mann dort von einer konkurrierenden Frau behelligt wird. Man bleibt dort oben gern unter sich.

Die Fakten: Im Wintersemester 2004 waren 53 Prozent der Studienanfänger weiblich, 47 Prozent männlich. Auf Absolventenebene steht es etwa halbe-halbe mit leichtem Vorsprung für die Frauen. Bei den Assistenten öffnet sich die Schere: Drei Viertel Männer, ein Viertel Frauen. Auf Professorenebene müssen sich sieben Prozent Frauen gegen 93 Prozent Männer durchsetzen.

"Es gibt dringenden Handlungsbedarf", meint die Zweite Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (SP) und hat daher am Montag zum Symposium "Kritische Karrieren - Frauen in der Wissenschaft" ins Parlament geladen: "Das neue Universitätsgesetz 2002 hat, so schildern mir viele Wissenschaftlerinnen, die Situation an den Unis dramatisch verschärft", sagt Prammer im STANDARD-Gespräch: "Es besteht die riesige Gefahr des absoluten Rückschrittes. Das Uni-Gesetz muss dringend auf seine Geschlechtertauglichkeit hin evaluiert werden", fordert Prammer.

Eine Frau, die es bis nach oben geschafft hat, ist Psychiatrie-Professorin Gabriele Fischer, die an der Medizinuni Wien lehrt und forscht und die Drogenambulanz am AKH Wien leitet. Die bestehenden Frauenförderungsmaßnahmen "haben schon bisher nicht wirklich gegriffen. Ja, es gibt mehr Frauen auf den karrieretechnisch ,wertlosen' Posten unten. Karenzvertretungen oder Drittmittelposten. Aber bei den Spitzenpositionen ist Österreich absolutes EU-Schlusslicht. Der Anteil der Medizinprofessorinnen ist seit 1995 um nur 1,2 Prozent auf sieben Prozent gestiegen. Das ist eine Katastrophe."

Fischer, die selbst Uni-Rätin an der Medizinuni Innsbruck ist, sieht in den Entwicklungs-und Organisationsplänen, die die Unis vorlegen müssen, einen Hebel, um Frauenförderung festzuschreiben. Genau an dem Punkt wäre Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (VP) "gefordert. Sie müsste männerlastige Pläne zurückweisen, wenn es ihr mit Frauenförderung ernst ist."

Roberta Schaller-Steidl aus dem Bildungsministerium sagt, es sei "gelungen, Gender-Aspekte in die neuen Steuerungselemente der Unis einzubauen. Es gibt das klare Signal, dass uns Frauenförderung wichtig ist." Die Leistungsvereinbarungen seien so zu gestalten, dass der Anteil der Frauen in Führungspositionen erhöht werde. (Lisa Nimmervoll/DER STANDARD, Printausgabe, 12.4.2005)

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