Wunschzettel für die Schule der Zukunft

25. Oktober 2006, 14:03
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Zwei Jahre lang diskutierten die Mitglieder der Zukunftskommission. Was sich die Betroffenen - Schüler, Eltern, Lehrer - für ihre Schule wünschen, sagten sie Lisa Nimmervoll

SCHÜLER

"Mitspracherecht ist uns am wichtigsten", sagt Bundesschulsprecherin Selma Schmid von der SP-nahen Aktion kritischer Schüler: "Mitsprache in Expertenrunden, vor allem aber auch im Unterricht." Für "mehr Chancengleichheit" formuliert Schmid einen aus realpolitischer Sicht eher unrealistischen Wunsch: "Wir würden uns freuen, wenn die Gesamtschule kommen würde." Weiters auf dem Schülerwunschzettel: ein "Modulsystem, mit dem bestimmte Fächer selbst gewählt werden könnten und Sitzenbleiben überflüssig würde, weil man nur das betroffene Fach wiederholen müsste", so Schmid, die "weniger Leistungsdruck" möchte. "Lernen soll Spaß machen. Dazu muss Bildung mehr sein, als Lernen für Noten."

Auch Schmids Pendant von der VP-nahen Schülerunion, Jürgen Stöttinger , fordert "mehr Schülermitbestimmung in allen Bereichen und mehr Kompetenzen für die gesetzliche Schülervertretung". Auf Schulebene ist die ÖSU auch für das Modulsystem, sagt zur Gesamtschule Nein, und will lieber die Volksschule auf fünf Jahre verlängern und das differenzierte System erhalten. Von der Zukunftskommission wünscht sich Stöttinger vor allem "Qualitätsentwicklung. Feedback, von Schülern zu Lehrern und umgekehrt, aber auch bis hinauf zum Ministerium, muss endlich selbstverständlich werden." Er fordert "psychologische und soziale Betreuung an jeder Schule" und will für die Lehrerausbildung "früheren Praxisbezug".

ELTERN

"Optimale, verpflichtende individuelle Förderung für jedes Kind und ständige Verbesserung der Qualität" müssten unbedingt umgesetzt werden, fordert der Vorsitzende des Dachverbands der Pflichtschulelternvereine,

Kurt Nekula : "Zumindest in der ersten Volksschulklasse sollen maximal 25 statt wie bisher 30 Kinder sitzen." Als Sofortmaßnahme sollen die "Leistungsgruppen abgeschafft werden zugunsten heterogener, kleinerer Arbeitsgruppen, in denen Kinder aller Begabungen miteinander lernen", so Nekula. Auch sollen künftig "zwei schulautonome Tage verpflichtend für schulinterne Lehrerfortbildung verwendet und zweckgewidmete Stundenkontingente für vorschulische Angebote angeboten werden".

Der erste Wunsch der Vorsitzenden des Bundesverbandes der Elternverbände an mittleren und höheren Schulen, Margit Johannik , bezieht sich auf die "Lehreraus- und -fortbildung. Wir müssen ein System zur Förderung von Anerkennung und Motivationsfaktoren entwickeln. Lehrer brauchen auch Lob von oben". Johannik wünscht sich auch "eine Senkung der Repetier- und Drop-out-Quoten, kein Abschaffen des Sitzenbleibens. Schule braucht Qualitätskontrolle. Die Umsetzung eines klaren schulischen Konzepts mit internem Leitbild und Schulprogramm muss verpflichtend sein. Direktoren müssen von administrativen Arbeiten entlastet und endlich eine intensive Diskussion über das neunte Schuljahr geführt werden".

LEHRER

"Unser Hauptthema ist zuallererst die Zurücknahme der Kürzungen bei den Stunden und bei den Lehrerdienstposten. Erst wenn das geschehen ist, kann man ernsthaft über qualitative Verbesserungen in der Schule reden", kritisiert der Vizevorsitzende der Pflichtschullehrergewerkschaft, Herbert Modritzky . Die Pläne der Zukunftskommission nach mehr individueller Förderung unterstützten die Lehrer rückhaltlos, "aber durch die Kürzungen ist das immer weniger möglich. Die Klassenschülerzahlen explodieren. Da muss was getan werden", fordert Modritzky: "Und bei allen Reformen müssen die Lehrer einbezogen werden. Wir sind nicht reformresistent, das haben wir oft genug gezeigt. Stichwort Integration."

Die Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eva Scholik , sagt: "Für uns ist die Individualisierung des Unterrichts ganz wichtig. Die ist aber nur mit kleineren Klassen und Gruppengrößen möglich. In einem ersten Schritt sollte man von 30 auf 25 Schüler gehen." Das zweite große Anliegen der AHS-Lehrergewerkschafterin ist der "Ausbau der Begabtenförderung. Dazu gehören auch Stützfördermaßnahmen, die die Schüler vorübergehend bei Schwächen in Anspruch nehmen können. Wichtig ist ein funktionierendes Frühwarnsystem". Für die Lehrer wünscht sich Scholik "dass ihnen die Öffentlichkeit wieder zugesteht, dass sie für die Schüler die Experten sind und sie bestmöglich fördern und motivieren wollen." (DER STANDARD-Printausgabe, 13.4.05)

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