Für Religionslehrer gilt Kirchenrecht

22. März 2006, 16:06
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Suspendierung geschiedener Pädagogin kein Berufsverbot, sagt Land - Lehrerin stehe "an vordester Front der Verkündigung"

Eine Religionslehrerin stehe "an vorderster Front der Verkündigung" - wie etwa Pastoralassistenten auch, erläutert Erich Leitenberger, Sprecher der Erzdiözese Wien. Sie repräsentiere "die Meinung der katholischen Kirche über Ehe, Scheidung, Wiederverheiratung in ihrem Verhalten".

In diesem Sinne sei "eine Scheidung allein nicht das Problem". Sondern erst "das Eingehen einer neuen Zivilehe", meint Leitenberger in Reaktion auf die Affäre um eine vom Innsbrucker Bischöflichen Schulamt für drei Jahre vom Unterricht suspendierte Religionslehrerin.

Warum dann die Frau, die nach ihrer Scheidung unverheiratet in einer neuen Beziehung lebt, sanktioniert worden ist? Dies könne an der "Semiöffentlichkeit" in einem Umfeld liegen, "wo jeder jeden kennt", vermutet Leitenberger. Im großstädtischen, anonymen Einzugsbereich der Erzdiözese Wien etwa würden "eine ganze Reihe geschiedener und wieder verheirateter Religionslehrer unterrichten".

Die Schulbehörde des Landes habe "richtig reagiert", betont indes Sebastian Mitterer, Tiroler Schullandesrat (VP) und amtsführender Landesschulratspräsident. Nach der Mitteilung von der Suspendierung sei das Stundenkontingent der Lehrerin mit Philosophie- und Ethikstunden aufgefüllt worden. Es gebe, so Mitterer, viele Lehrer, die nicht in allen Fächern unterrichteten, für die sie ausgebildet seien. Von Berufsverbot könne daher keine Rede sein.

Ebenso wenig übrigens von Ungleichbehandlung mit Lehrern weltlicher Fächer, bei denen Privates weniger Ausschlag gibt. Religionslehrer, so Antidiskriminierungsexperte Volker Frey, unterlägen "nur dem Kirchenrecht", das eigene Auffassungen vom Recht auf Privatleben habe. (bri, hs/DER STANDARD-Printausgabe, 13.4.05)

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