Cluburlaub=Grantgarant

18. Oktober 2005, 13:45
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Wieso muss Urlaub immer in Kategorien verpackt sein, wo sich grruch einfach nur Urlaub wünscht

Sun - Fun - Action! Das scheint die heilige und allgemein unangefochtene Dreiheit zu sein, der sich Reiseveranstalter einstimmig verschworen haben. Gegen Sonnenschein ist natürlich nichts einzuwenden, denn wenn es einmal zu stark herunter brennt, gibt es noch immer die Flucht in den Schatten, also eine Wahlmöglichkeit. Anders schaut es jedoch mit dem Rest der Dreifaltigkeit aus. Denn sowohl Spaß als auch Aktivität sind dehnbare und sehr individuell interpretierbare Begriffe - welche Art von Aktivität macht wem Spaß? - die sicherlich nicht über einen Kamm geschert werden können.

Geht es doch um unterschiedlichste Bedürfnisse, meine ich. Aber die sind den Reisefuzzis schnurzegal. Hauptsache die Kohle stimmt, da können die UrlauberInnen ruhig mit einem Rund-um-die-Uhr-"Spaß"-Programm entmündigt werden (weil sie sonst nicht wissen, was tun?). Und das schaut dann so aus: unaufhörlich plärrende Lautsprecher, aus denen die ach so gute Laune des Animationsteams schallt, Aufmunterungsrufe zum Mitmachen durchmischt mit wilder, grauenvoller Discomusik... Diesem Zwangs-Erheiterungs- und Unterhaltungsprogramm entkommt mensch auch beim vermeintlichen Rückzugsversuch an den Strand nicht. Kaum in ein spannendes Buch versunken, Meeresrauschen im Ohr, wird man / frau durch das plötzlich auftauchende Geschrei eines Animateurs - "Volleyball! Volleyball!" - der Genüsslichkeit entrissen.

Und sagen Sie jetzt bitte nicht: "Selber schuld"! Das Dilemma ist nämlich ein grundlegendes. Denn mittlerweile haben nahezu alle Reiseveranstalter für diejenigen Destinationen, die im Winter mit einem unter Acht-Stunden-Flug erreicht werden können, den Clubgedanken für die Hotels so gut wie hundertprozentig übernommen. Abgelegene Pensionen an menschenleeren Stränden sind also so leicht zu finden wie die berühmte Stecknadel. Und hat man erst einmal solch eine romantische Gegend entdeckt, ist es einige Jahre später damit schon wieder vorbei. Das gierige Tourismusmaul hat sie verschluckt. Jene also, die über den Massentourismus die Nase rümpfen und sich selbst rühmen, alternativen Individual-Urlaub zu machen, müssen es sich gefallen lassen, so was wie Auslösende des touristischen Dilemmas zu sein.

Aber eine weitere Frage ist auch: Gibt es so etwas wie Urlaub überhaupt noch? Ich meine "einfach Urlaub". Ein Urlaub ohne Kategorisierungen, ohne Päckchen-Zuteilung à la Abenteuer-Urlaub, Aktiv-Urlaub, Kreativ-Urlaub, Yoga-Urlaub ... und eben Club-Urlaub. Ich will einfach nur Urlaub, einen Urlaub ohne was davor. Und dafür will ich aber nicht zuhause bleiben müssen, mault grruch.

Eine Grantkolumne
  • Einfach nur Urlaub!
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