MAN macht Kapazität in Steyr frei

9. Mai 2005, 13:23
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Komponentenfertigung in Tschechien oder der Slowakei, Karosseriebau in Österreich - 2800 Arbeitsplätze in Steyr wären so "abgesichert"

Wien/Steyr - Die MAN Nutzfahrzeuge Österreich AG plant, in Tschechien oder in der Slowakei ein Komponentenwerk zu errichten, um so Kapazitäten im Werk Steyr für den Karosseriebau frei zu bekommen. Damit könnten die derzeit 2800 Arbeitsplätze in der oberösterreichischen Industriestadt "abgesichert" werden. Dies kündigten die beiden Vorstände der Österreichtochter des deutschen Nutzfahrzeugkonzerns, Bruno Krainz und Michael Beck, bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien an.

Mittelfristig sei geplant, in Steyr bis zu 30.000 Fahrzeuge zu fertigen. Im Vorjahr waren es knapp 18.500, leichte und mittelschwere Lkws. Um dies im Werk Steyr zu schaffen, sollen ebenjene Komponenten, für die nicht viel Spezialisierung notwendig ist, günstiger in Osteuropa gefertigt werden. Bis Jahresende soll dies starten, zunächst will MAN sich in bestehende Industrieanlagen einmieten - entweder in Brno oder in der Nordostslowakei, so Krainz.

Gegengeschäfts-Argument bei Militär-Deal

Zum jüngst erhaltenen Militärauftrag aus Großbritannien (vorerst 5200 Spezial-Lkws) sagte Krainz, man hätte ihn "wahrscheinlich nicht erhalten", hätte es nicht den Druck von EADS-Partner British Aerospace auf die Regierung gegeben, den Deal als Eurofighter-Gegengeschäft mit dem MAN-Konzern zu machen. Denn der Hauptkonkurrent für das MAN-Sonderfahrzeuge-Werk in Wien sei der US-Armee-Lieferant Oshkosh gewesen. Dieser habe den Briten angeboten, in Wales ein eigenes Werk für die Lastwagen zu bauen. Dagegen habe man - neben der technischen Überlegenheit der MAN-Geräte in Tests - eben das Gegengeschäfts-Argument vorbringen können, bestätigt Krainz.

Wie berichtet, sollen ab 2006 in Wien zu den heute 650 Arbeitsplätzen 250 bis 300 neue entstehen. Im Vorjahr hat man fast ebenso viele, nämlich 220, abgebaut. "Damals war noch nicht fix, ob und wann der Militärauftrag kommt", argumentiert Krainz.

Zusätzlich zu den weiteren 2800 Lkws, die das britische Militär aufgrund des Vertrages später noch ordern wird, hofft man auf Folgeaufträge der Armeen von Australien, Kanada, Südafrika und asiatischer Staaten. (szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.4.2005)

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