Franz Prokop: "Polizei-Präsenz erhöhen"

17. Mai 2005, 10:31
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Der Ottakringer Bezirksvorsteher im derStandard.at- E-Mail-Interview über Stärken und Probleme seines Bezirks

derStandard.at hat seine Wien-Berichterstattung um Bezirksseiten erweitert. Aus diesem Anlass stellen wir in einer E-Mail-Interviewserie die BezirksvorsteherInnen der einzelnen Bezirke vor. An der Spitze des 16. Wiener Gemeindebezirks, Ottakring, steht seit 2004 Franz Prokop (SPÖ).

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derStandard.at: Was zeichnet Ihren Bezirk aus?

Prokop: Auf jeden Fall die Vielfalt. Aber auch die Kultur - von der Jazzmeile bis zum Volksliedwerk, außergewöhnliche Wohnprojekte, Einkaufsangebote vom Brunnenmarkt bis zur Möbel-Meile Thaliastraße mit exquisiten Stücken.

derStandard.at: Ihr Lieblingsplatz im Bezirk?

Prokop: Klar, der ganze Bezirk. Aber im Detail: das Schloss Wilhelminenberg mit seiner einzigartigen Aussicht und Lage, und der Brunnenmarkt, einzigartig in Europa.

derStandard.at: Was sind die größten Probleme in Ihrem Bezirk?

Prokop: Ein wichtiger Punkt in meiner Arbeit ist das Sicherheitsgefühl der OttakringerInnen zu verbessern. Die gute Zusammenarbeit mit der Polizei kann aber nicht über die fehlenden 50 BeamtenInnen hinwegtäuschen. Eine wichtige Forderung ist für mich, dass die Präsenz der Polizei auf der Strasse erhöht wird.

derStandard.at: Welche Faktoren sind für die wirtschaftliche Entwicklung im Bezirk entscheidend?

Prokop: Wir haben Geschäfte vom Ein-Mann-Handy-Shop bis zur Firma Santorakaffee, vom weltbekannten Staud mit seinen Einmach-Köstlichkeiten, bis zu innovativen Werbeagenturen. Die Faktoren sind: beste Infrastruktur durch zwei U-Bahn-Linien und eine Schnellbahn, sowie einige leistungsfähige Tramway- und Busverbindungen, optimales Zusammenwirken bei Betriebsansiedlungen, wo wir es den Interessierten so leicht als nur möglich machen.

derStandard.at: Was sind die Schwerpunkte Ihrer bezirkspolitischen Tätigkeit?

Prokop: Als Sozialdemokrat die Wahrung der sozialen Balance, als Kinderfreunde-Mitarbeiter die Entfaltungsmöglichkeit unserer Jüngsten. Im Übrigen gibt es 16 Punkte für Ottakring, die man unter www.ottakring.spoe.at nachlesen kann.

derStandard.at: Laufen in Ihrem Bezirk BürgerInnenbeteiligungsverfahren?

Prokop: Auch wenn sie bei uns nicht so sperrig heißen: BürgerInnen sind bei uns in den meisten Verfahren beteiligt. Zum Beispiel bei der Planung für den neuen Teiles im Huberpark, seinerzeit beim Yppenplatz, beim Hofferplatz und bei der Aufwertung des Brunnenviertels. Und die Bezirksräte aller Fraktionen, das muss ich betonen, sind wirklich täglich auf der Straße, und in Kontakt mit den Menschen. Ich selbst bin wöchentlich zu Sprechstunden erreichbar, und natürlich mehrmals täglich in Kontakt mit den BewohnerInnen.

derStandard.at: Ihre Strategie in Sachen Hundekotproblem?

Prokop: Ich habe keinen Hund, aber freilich kenne ich die Probleme. Und aus Ottakring kommt ja nicht nur der Bürgermeister, sondern auch die Umweltstadträtin Ulli Sima, die hat das Thema ja schon energisch angepackt.

derStandard.at: Wie stehen Sie zur Einführung von "Schutzzonen" im Bereich von Schulen?

Prokop: Der blauschwarzen Bundesregierung haben wir den Polizeiabbau und damit ein Sicherheitsproblem zu danken. Schutzzonen sind wie Schutzwege: in Wahrheit wird damit niemand von weiteren Maßnahmen entbunden. Es gibt dadurch keine "Schutzautomatik".

derStandard.at: Gibt es im Bezirk Maßnahmen für die Integration von Minderheiten?

Prokop: Es gibt eine Außenstelle der Integrations-MA 17 auf der Thaliastraße, wir arbeiten auch an einer Plattform zum Informationsaustausch zwischen Minderheiten-Vereinen. Aber noch wichtiger ist, dass wir im Ottakringer Alltag diese Integration ja dauernd leben - müssen, sage ich. Ein Lernprozess, der manchesmal für alle Seiten schmerzhaft und mühsam ist, aber der uns in ganz Europa nicht erspart bleibt.

Abgesehen davon denke ich immer dran: bei meinem Urlaub in Slowenien bin ich plötzlich eine Minderheit.

derStandard.at: Haben Sie ein politisches Vorbild?

Prokop: Bruno Kreisky, wen sonst!

derStandard.at: Mit welchen Eigenschaften würde Sie ein Freund charakterisieren?

Prokop: Was er sagt, das meint er auch genau so. Was er zusagt, das hält er. Und leider neigt er zum Tiefstapeln, was in der Politik nicht gerade hilfreich ist.

derStandard.at: Ein persönlicher Tipp für Ihren Bezirk?

Prokop: Viel zu viele Tipps: Von unseren herrlichen Vorstadt-Lokalen, der ehemaligen Tschauner-Bühne bis zum Kulturfestival Soho in Ottakring. Von den Bezirksfestwochen bis zu den Events an der U-3-Endstelle Thaliastraße. Da muss einer schon öfter nach Ottakring kommen, um das alles kennen zu lernen!

  • Franz Prokop (S) ist seit 2004 Bezirksvorsteher des 16. Wiener Gemeindebezirks Ottakring.
    foto: bv 16

    Franz Prokop (S) ist seit 2004 Bezirksvorsteher des 16. Wiener Gemeindebezirks Ottakring.

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