Wiener Privatschule Vorreiter bei Brandschutz

4. Mai 2005, 16:40
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Schule der Dominikanerinnen stattet in Privatinitiative Schule mit Rauchmeldern aus - Wiener Elektroinnung: Gesetzgeber muss tätig werden

Eine katholische Wiener Privatschule spielt derzeit die Vorreiterrolle beim Thema Schulsicherheit: Die Schule der Dominikanerinnen in Wien 13 hat vor etwa einem halben Jahr die Schule mit einer Rauchmeldeanlage ausgestattet und die gemeinsam mit der Landesinnung Wien der Elektrotechniker und dem Versicherungskonzern Allianz gesetzten Initiative heute mit einer spektakulären Feuerwehrübung der Öffentlichkeit vorgestellt. "Seit wir das haben, kann ich ruhiger schlafen", sagte die Schuldirektorin Monika Widmann am Dienstag vor Journalisten.

Besser gerüstet

Die Schule in Wien Hietzing ist eine der ersten in Österreich, die für den Ernstfall eines Brandes besser gerüstet ist als nur durch die üblichen Fluchtwege, Feuerlöscher und Evakuierungsübungen. Gesetzlich sind Rauchmelder in Schulen oder Kindergärten in Österreich - aber auch in den übrigen EU-Ländern - nicht gesetzlich vorgeschrieben. Karl Heinz Bradavka, Sicherheitsexperte der Wirtschaftskammer Österreich, hält diese Situation für unhaltbar und fordert den Gesetzgeber auf, hier tätig zu werden. Eine Katastrophe in einer Schule sei zwar unwahrscheinlich, "aber nicht undenkbar". Er warnte davor, auf einen Anlassfall zu warten. Seit der Seilbahnkatastrophe in Kaprun und auch nach dem Unfall in einem Bahn-Schlafwagen nach München sei ein leichtes Umdenken in der EU zu spüren.

Kosten für Brandschutz gefallen

Durch die rasante technische Entwicklung der vergangenen Jahre seien auch die Kosten für den Brandschutz dramatisch gefallen, führte Bradavka aus. Mit den neuen drahtlosen Brandmeldeanlagen reichten 4.000 bis 7.000 Euro pro Schule aus, während früher zwischen 20.000 bis 40.000 Euro notwendig gewesen wären. Die funkvernetzte Anlage in der Schule der Dominikanerinnen mit ihren rund 950 Schülern kostete rund 4.500 Euro, die von der Allianz übernommen wurden. Die Wiener Elektroinnung steuerte die Arbeitszeit gratis bei.

Allianz-Vorstand Erich Tamm, dessen beide Töchter in die Schule der Dominikanerinnen gehen, und der nicht zuletzt deshalb auf das Sponsoring angesprochen wurde, betonte, dass sein Unternehmen sich vorstellen könnte, auch weitere Schul-Initiativen zu finanzieren. Ganz könne der Staat aber auch nicht aus der Pflicht entlassen werde, so Tamm.

Nur zwei Minuten zur Selbstrettung

Erfreut über das Pilotprojekt zeigte sich heute auch der Wiener Branddirektor Friedrich Perner. Die Wiener Feuerwehr fordere seit einigen Jahren bei Schulneubauten und Generalsanierungen den Einbau solcher Anlagen. Er erinnerte daran, dass bei einem tatsächlichen Brand nur zwei Minuten zur Selbstrettung bleiben. Umso wichtiger sei die frühe Warnung.

Gefährlich seien auch weniger Vorfälle in besetzten Klassenzimmern, als vielmehr leere Räume und Elektrobrände etwa bei EDV-Anlagen. Daher sind die Rauchmelder in der Wiener Schule ,vor allem in sensiblen Zonen wie EDV-Räumen und in den Gängen installiert. In Wiener Schulen gibt es laut Perner 50 bis 100 Brände, bei denen die Schüler bisher glimpflich davon gekommen sind. Ziel der Installation solcher Rauchmeldeanlagen in Schulen sei zudem, über die Kinder und Jugendlichen die Idee auch in die österreichischen Haushalte zu tragen, die ebenfalls kaum über Brandmelder verfügen. (APA)

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