Symantec mit Veritas gegen Virenschreiber

11. Mai 2005, 10:02
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Da die Bedrohungen aus dem Internet immer komplexer werden, tut sich der IT-Sicherheitsspezialist mit Veritas zusammen

Der Hersteller von Sicherheitssoftware, Symantec, will sich über Know-how-Bündelung den immer komplexeren Anforderungen an IT-Sicherheit stellen. Mit dem Merger mit Veritas, einem Spezialisten für Speichersoftware und Back-up-Lösungen, sollen die Firmenlösungen künftig um den Aspekt der Datenverfügbarkeit erweitert werden, erklärt Dieter Giesbrecht, Senior Vicepresident von Symantec.

Abgesegnet

Der Zusammenschluss, der über Aktientausch bis zum Sommer zustande kommen soll, ist kartellrechtlich bereits abgesegnet. Im Mai werden die Aktionäre darüber abstimmen. Die Unternehmen sind beide etwa gleich groß und setzten 1,87 Mrd. Dollar (Symantec) bzw. zwei Mrd. Dollar (Veritas) um. Entstehen wird ein Sicherheitsriese, der je nach Berechnung viert- bzw. fünftgrößtes Softwareunternehmen weltweit ist.

Denn bei den Bedrohungen gilt: immer schneller, immer häufiger, immer einfallsreicher. 40 neue Schädlinge - teilweise Varianten alter Würmer bzw. Viren - werden täglich lokalisiert. Betrug das Zeitfenster zwischen dem Entdecken einer Lücke in einem Softwareprogramm und dem Auftauchen eines dafür geschriebenen Schädlings früher ein paar Monate, sind es jetzt gerade einmal sechseinhalb Tage. "Für uns wird es deshalb immer wichtiger, dass wir Bedrohungen möglichst vorausahnen können", sagt Symantec-Sicherheitsexperte Neils Johnson.

20.000 Sensoren

Sein Unternehmen hat dazu 20.000 Sensoren auf die Datenströme rund um den Erdball gesetzt. Diese zeichnen Unregelmäßigkeiten im Datenstrom auf und informieren die Sicherheitsspezialisten. Durch die Analyse der Veränderungen an Datenströmen - Symantec nennt dies Generic Expert Blocking - soll künftig schneller erkannt werden, wenn ein gefährlicher Code in Umlauf gesetzt wird.

Variantenreicher werden auch die Ziele der Schädlinge, so Symantecs Sicherheitsreport für das 2. Halbjahr 2004. Mit der zunehmenden Verbreitung des auf offenen Standards basierenden Betriebssystems Linux wird auch dieses zunehmend Ziel von Attacken. Auch Schädlinge, die geschrieben werden, um Smartphones zu verseuchen oder lahm zu legen, werden immer häufiger beobachtet.

Professionalisierung der "bad guys"

Generell beobachtet Johnson eine zunehmende Professionalisierung der "bad guys", wie er die Virenschreiber nennt. Waren die Hacker noch vor einigen Jahren vergleichsweise harmlose Computerfreaks, die mit ihren Taten um Anerkennung in der Community buhlten, sind es jetzt häufig monetäre Gründe, die sich durch das gezielte Ausspionieren von Finanzdaten zeigen, zum anderen soziopolitische Gründe: "Cyberterrorismus kommt sicher", ist Johnson überzeugt. Hinter diesen neuen Formen von Computerkriminalität stünden nicht mehr einzelne Täter, sondern Tätergruppen.(Johanna Ruzicka aus San Francisco/DER STANDARD, Printausgabe vom 12.4.2005)

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