Reisepasspflicht auch für Babys

23. Mai 2005, 16:45
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Eltern sollen dazu verpflichtet werden, auch für Babys und Kleinkinder einen Reisepass anzuschaffen - alle fünf Jahre einen neuen.

Jedem Menschen seinen Reisepass – auch Babys. So will es jedenfalls die International Civil Aviation Organisation (ICAO), die Organisation der UNO mit Sitz im kanadischen Montreal, die weltweit für die Spezifizierung von Reisedokumenten zuständig ist. Auch Österreich muss ICAO-Vorgaben erfüllen, doch die Forderung nach verpflichtenden Reisepässen für Kinder unter zwölf Jahren stößt im Innenministerium auf Widerstand.

Die Vereinten Nationen wollen mit der Maßnahme "One Person, One Passport" in erster Linie Kinderhandel verhindern. "Aber die praktische Umsetzung würde bedeuten, dass kinderreiche Familien hohe Kosten zu tragen hätten", erklärt Michael Girardi vom Innenministerium.

Teurer Haken

Der teure Haken sind die biometrischen Merkmale, die künftig auf Chips in Pässen gespeichert werden. Kinder ändern ihr Aussehen sehr schnell. Die ICAO empfiehlt deswegen, dass Kinder alle fünf Jahre einen neuen Reisepass erhalten sollen. Aber diese Dauer scheint zu lange, Kleinkinder wachsen schneller aus ihren digital erfassten Proportionen heraus. Grundsätzlich kann in Österreich auch jetzt schon ein Reisepass für Säuglinge ausgestellt werden. Zwingend ist der Babypass aber nur dann, wenn Kinder unter zwölf alleine beziehungsweise nicht mit den Eltern oder dem gesetzlichen Vormund auf Auslandsreise gehen.

Voraussetzungen nach Alter

Bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres ist die Passgültigkeit auf ein Jahr befristet, Pässe für ein- bis sechsjährige Kinder haben eine vierjährige Laufzeit, Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren erhalten jeweils für fünf Jahre gültige Pässe. Ab zwölf brauchen Kinder für Reisen in Nicht-EU-Länder unbedingt einen eigenen Reisepass, es gilt die Erwachsenenregel: zehn Jahre gültig. Jeder neue Pass kostet (derzeit) 69 Euro.

Die Möglichkeit, Kinder unter zwölf in den Reisepass der Eltern eintragen zu lassen, läuft aus. Immer mehr Länder, darunter Estland und die USA erkennen eine Eintragung nicht mehr an. Zur Diskussion auf EU-Ebene steht noch das System der Niederlande, wo Kinder zwar eingetragen werden können, der elterliche Pass aber eine Vignette samt Kinderfoto (oder künftig einen zusätzlichen Chip) enthalten muss.

Neue Pässe noch heuer

Im Innenministerium istman zuversichtlich, dass noch heuer gechipte Reispässe auf den Markt kommen. Die meisten EU-Länder werden sich hingegen bis zum EU-Stichtag 1.September 2006 Zeit lassen. Vorerst werden nur Fotos im JPEG-Format gespeichert, für´Fingerabdrücke ist die technische Spezifikation noch gar nicht fix. Um zu verhindern, dass die Österreicher in drei Jahren wieder neue (dann Fingerabdruck-taugliche) Pässe brauchen, soll auf den Chips jetzt schon diese Möglichkeit implementiert werden. Die Chipherstellung wird in den kommenden Wochen vergeben, im Rennen sind die Oesterreichische Staatsdruckerei und einige Privatfirmen. (Michael Simoner, DER STANDARD – Printausgabe,12.04.2005)

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