Veranstaltungstipp: "Visiting Mr. Green"

14. April 2005, 15:04
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Ein gewitztes, flottes Stück im Vienna's English Theatre

"Why didn't you tell me you were Jewish?" - "Who told you I wasn't?" Ja, wir sind in New York, irgendwo an Manhattans Upper West Side. In einem blümchentapezierten Apartment zwingt das Schicksal (exakter: ein gestrenger Richter, der den Verursacher eines Beinaheverkehrsunfalls zu Sozialhilfe verdonnert) zwei denkbar ungleiche Menschen zusammen. Einen leicht verkalkten, lebensmüden Witwer und einen yuppiehaften Twentysomething. Das koschere Essen schlägt eine erste Kommunikationsbresche - durch die gemeinsame jüdische Abstammung schmilzt das Eis, um so einen noch heftigeren Vater-Sohn-Stellvertreter-Konflikt einzuleiten. Jeff Baron ist mit "Visiting Mr. Green" (1997) ein gewitztes, flottes Stück gelungen, dessen plastische innere Dramatik sich wirkungsvoll am minimalistischen Environment reibt. Denn das Wohnzimmer ist und bleibt der einzige Schauplatz, an dem Fragen jüdischer Identität und sexueller Toleranz thematisiert werden. Aaron Serotsky gibt einen passablen, etwas zu wenig kantigen Businessmanager ab, Rex Garner sorgt als Mr. Green für Glanzpunkte, verschenkt jedoch vor allem zu Beginn durch eigene Reaktion auf die Pointen Spannungsmomente. (felb/DER STANDARD, Printausgabe, 12.04.2005)
Vienna's English Theatre
8., Josefsgasse 12
01/402 12 60-0
Bis 13. Mai
19.30 Uhr
  • Artikelbild
    foto: vienna's english theatre
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