Vergabestreit um die Therme Gleichenberg

2. Mai 2005, 11:29
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Investorengruppe um Siegfried Wolf hat die Vergabe eines für das Projekt integralen Bauobjektes beeinsprucht - Bundesvergabeamt ist am Zug

Bad Gleichenberg - Das 60 Millionen Euro schwere Thermenprojekt "Bad Gleichenberg Therapie und Thermen AG" der Investorengruppe um Magna-International-Chef Siegfried Wolf in Bad Gleichenberg befindet sich nach wie vor in einer überaus sensiblen Phase. Nun wurde - ähnlich wie beim Klagenfurter Fußballstadion - das Bundesvergabeamt eingeschaltet.

Berufskrankheitszentrum Stein des Anstoßes

Die Projektbetreiber rund um Siegfried Wolf, dem Gesundheitsökonomen Christian Köck und Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner haben nun die angekündigten "Schritte" gesetzt und gegen die Vergabeentscheidung der Sozialversicherungsanstalt der Bauern Einspruch erhoben. Streitobjekt ist jenes an das Thermenprojekt angrenzende Berufskrankheitszentrum der Bauern, das die Bauernversicherung an Humanomed Hospitalis/Porr vergeben möchte. Die Sozialversicherungsanstalt möchte dort ihr Berufskrankenzentrum weitgehend erhalten.

Das Wolf-Köck-Konsortium betrachtet dieses Objekt jedoch als wichtigen integralen Bestandteil ihres "Wellness-Clusters", hat daher mitgeboten und fühlt sich nun unfair behandelt. Deshalb der Einspruch. Nun ist das Bundesvergabeamt am Zug, bestätigte der für das Gleichenberger Reha-Zentrum zuständige Johannes Taferner von der Bauernversicherung am Montag im STANDARD-Gespräch. Taferner: "Wir sind an sich ja gar nicht Teil der ganzen Sache, das eigentliche Projekt heißt ja Thermen- und Therapie AG Gleichenberg. Wir sollten sozusagen im Vorbeigehen mitgenommen werden. Es hat zwei Bieter gegeben, einer war halt Bestbieter." Die Beeinspruchung werde zu einer zweimonatigen Verzögerung führen, glaubt Taferner.

Abzug des Projektes wurde angedeutet

Für Christian Köck von der Health Care Company (HCC), die Köck, Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner und der Raiffeisen Holding gehört und die zu 49 Prozent an der "Bad Gleichenberg Therapie und Thermen AG" beteiligt ist - 51 Prozent hält die HGI Beteiligungs AG um Wolf, den Grazer Geschäftsmann Reinhard Hohenberg und Ex-Estag-Aufsichtsratschef Norbert Ertler - für Köck also bleibt das Reha-Zentrum der Bauernversicherung ein "wesentlicher integraler Bestandteil" des eigenen Thermenprojektes. Siegfried Wolf hatte Mitte März deswegen sogar einen Abzug des Projektes aus Gleichenberg angedeutet.

Die Gleichenberg AG sendete am Montag vorerst einmal Signale der Offensive aus. Das Management der "Bad Gleichenberg Therapie und Thermen AG" ist seit wenigen Tagen verstärkt worden. Josef Berger, ein leitender Mitarbeiter der Health Care Company (HCC) wurde in den Vorstand nominiert, dessen Vorsitz er künftig übernehmen wird. Die bisherige Direktorin Doris Neger bleibt im Vorstand.

Einen möglichen Ausweg aus der durchaus prekären Situation skizziert Stephan Gillich von Porr, ein Vertreter des Konkurrenzkonsortium Humanomed, Hospitalis/Porr. Er hält eine mögliche Kooperation mit der Gegner-Anbietergruppe offen. Gillich: "Ich schließe nie irgendetwas aus." (Walter Müller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.4.2005)

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    Das Millionen-Thermenprojekt in Bad Gleichenberg verzögert sich

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