Oper: Spieglein, Spieglein an der Wand

11. April 2005, 19:54
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Die Zeit der opulenten Sängerinnen ist vorbei - In harten CD-Zeiten setzen Firmen auf Qualität plus Aussehen

Wien - "Oper ist, wenn eine dicke Frau singt." Dieses so freche wie durch stolze Beispiele zementierte Vorurteil ist mittlerweile eine Fall für den Artenschutz, und das hat zwei Gründe: Erstens sind die CD-Firmen unter Verkaufsdruck und also auf der Suche nach Sängerinnen, die sich popmäßig (also auch filmisch) vermarkten lassen. Den Vorzug bekommen denn auch Damen, die kein Fall für die Weight Wachers sind.

Zweitens hat das moderne Musiktheater die Wahrnehmungsansprüche verändert - es reicht nicht mehr, Partien nur von der Stimme her rollengerecht zu besetzten. Durch die Medien ging etwa der Fall von Deborah Voigt, die wegen nicht rollengerechter Figur aus einer Londoner Produktion gekippt wurde. Mittlerweile wiegt sie 40 Kilo weniger; sie hat sich (wie Diego Maradona) einen Magenbypass einsetzen lassen.

Angela Gheorghiu

Wer über die Maßen gut singt (vor allem italienisches und französisches Repertoire), schauspielern kann und es auch will sowie noch ästhetisch etwas rüberbringt - der dominiert das Geschäft. Angela Gheorghiu ist mit ihrer Antipathie für das Regietheater zwar eine Ausnahme. Es kann ihr jedoch egal sein: Schließlich hat sie bei der EMI einen Exklusivvertrag, der ihr die weltweite Verbreitung ihres Gesanges garantiert.

Anna Netrebko

In diesem CD-Topstar-Segment, dem alle Promotion-Mittel zur Verfügung gestellt werden, bewegt sich auch Anna Netrebko. Die Russin, die durch Salzburg fast über Nacht (zu Recht) zum Weltstar wurde, erfüllt alle Marktkriterien und ist auch eine echte Sängerdarstellerin.

Cecilia Bartoli

Zu den großen drei gehört auch Cecilia Bartoli, ein echtes Phänomen. Mittlerweile platziert sie ihre CDs an die Spitze der Klassikcharts auch mit einem Raritätenrepertoire. Abseits dieser drei Namen ist noch die Tschechin Magdalena Kozená (auch bei Universal), die gerade Babypause macht (Vater: Dirigent Sir Simon Rattle), zu nennen. Und natürlich Maria Callas, die nach wie vor sehr viel ver- kauft (EMI).

Andere Sangesdamen sind zwar in Opernhäusern Stars, aber auf dem CD-Markt nicht relevant und also ohne dicken Exklusivvertrag. Eine Ausnahme ist hier Koloraturwunder Edita Gruberova - sie publiziert auf ihrem eigenen Label Nighingale. Die anderen widmen sich vor allem dem deutschen Fach zwischen Mozart, Wagner und Strauss und heißen Angela Denoke, Deborah Polaski und Waltraud Meier.

Auch sie leben natürlich nicht schlecht: An den Opernhäusern bewegen sich die Spitzengagen weltweit doch noch zwischen 12.000 und 15.000 Euro. (tos, DER STANDARD, Print, 12.4.2005)

Die Sopranistin Angela Gheorghiu im STANDARD-Gespräch: "Es gibt nicht viele von uns
  • Angela Gheorghiu
    foto: emi
    Angela Gheorghiu
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