Kopf des Tages: Bregenzer SP-Stadtrat Michael Ritsch geht in die Stichwahl

14. April 2005, 16:13
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Bürgermeister sein - ein Bubentraum

Das modische Sakko flott über die Schulter geworfen; das Lächeln so offen wie der Hemdkragen; und bereit, an jeder Ecke ein Schwätzchen zu tun. Umgänglich und freundlich - so kennt man in Bregenz SP-Stadtrat Michael Ritsch. Konsequent und ehrgeizig sein Ziel verfolgend, dabei aber immer darauf bedacht, ein erfolgsorientiertes Team neben sich zu haben - so kennen ihn seine Parteifreunde. Michael Ritsch, Wohnungsstadtrat, Ortsparteivorsitzender und seit einem halben Jahr auch Landtagsabgeordneter, ist drauf und dran, das schwarze Bregenz umzufärben. In knapp zwei Wochen will er den amtierenden Bürgermeister Markus Linhart bei der Bürgermeister-Stichwahl schlagen. Michael Ritsch, seit 1995 Stadtrat für Wohnungswesen, will in die erste Reihe, weil er "die Leute mag".

Die SPÖ kennt er schon seit seiner Kindheit. Von seinem Zimmer über dem elterlichen Bastelladen habe er direkt in die Sitzungsräume schauen können und insgeheim den feinen Herrn bewundert, der da immer in Anzug mit Weste und großem Aktenkoffer gekommen sei. Der noble Mann war der legendäre Bregenzer Bürgermeister Fritz Mayer, in dessen 18-jährige Amtszeit etwa der Beginn des sozialen Wohnbaus und der Bau des Festspielhauses fallen, aber auch stadtplanerische Grässlichkeiten, die an Zentren des realen Sozialismus erinnern.

Ritsch kam als Gymnasiast zur Jungen SPÖ, ging dann zur Gendarmerie, wurde 1990 Stadtvertreter, fiel als Talent auf und hing das Gendarmenkapperl zwei Jahre später an den Nagel. Mentor Hans Sallmutter machte ihn zum Vorarlberger Sekretär der Gewerkschaft der Privatangestellten und gab den Anstoß zur politischen Karriere.

Bei älteren Bregenzern, die gerne in Mayer-Nostalgie schwelgen, hat "der Michi", obwohl mit 36 Jahren für einen Bürgermeister einer bürgerlichen Stadt sehr jung, einen dicken Bonus. "Er schaut ihm ja so ähnlich, unserem früheren Bürgermeister." Körpergröße und (nicht vorhandene) Haartracht stimmen überein. In der Art, Politik zu machen, unterscheidet sich Fußballfan Ritsch aber deutlich vom Helden seiner Bubenträume.

Der karenzierte Gewerkschaftssekretär ist ein Teamarbeiter. "Gemeinsam statt von oben herab" ist für ihn nicht nur ein gegen den amtierenden Bürgermeister Markus Linhart gerichteter Wahlslogan. Sein Kommunikationstalent hat der (geschiedene) Vater von zwei kleinen Mädchen auch innerhalb der traditionell zerstrittenen Ortspartei gezeigt. Auf seiner Liste finden sich die Bregenzer SP-Pensionisten - jahrelang dominierender Flügel der roten, aber konservativen Ortsgruppe - einträchtig neben Szeneleuten. Für die Stichwahl will Ritsch alle mobilisieren, die Bürgerlichen, die Nichtwähler und die Jungen. (Jutta Berger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.4.2005)

  • Michael Ritsch (36), SP-Wohnungsstadtrat, schaffte es in Bregenz in die Stichwahl.

    Michael Ritsch (36), SP-Wohnungsstadtrat, schaffte es in Bregenz in die Stichwahl.

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