Geberkonferenz sagt 4,5 Milliarden Dollar zu

26. Mai 2005, 17:12
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USA machen Zahlung von Ende des Konflikts in Darfour abhängig - Auch Einnahmen aus Öl-Verkauf sollen genutzt werden

Oslo - Der Sudan kann mit 4,5 Milliarden Dollar (3,47 Mrd. Euro) internationaler Hilfen zum Wiederaufbau des südlichen Landesteils rechnen, muss dafür aber für ein baldiges Ende der Gewalt im westsudanesischen Darfur sorgen. "Die Teilnehmer der Konferenz haben 4,5 Milliarden Dollar für die Jahre 2005 bis 2007 versprochen", sagte Norwegens Entwicklungsministerin Hilde Frafjord Johnson am Dienstag in Oslo zum Abschluss einer internationalen Geber-Konferenz.

Vereinbarungen

Die USA sagten dem größten afrikanischen Land 1,7 Milliarden Dollar zu, die Europäische Kommission 765 Millionen Dollar. Der stellvertretende US-Außenminister Robert Zoellick forderte den Sudan aber nachdrücklich auf, die Vereinbarungen einzuhalten: "Wenn sich die Zustände in Darfur nicht verbessern, können weder die USA noch andere Länder finanzielle Unterstützung für das Nord-Süd-Abkommen bereitstellen."

Der Süd-Sudan ist nach 21 Jahren Bürgerkrieg weitgehend zerstört. Krankenhäuser, Schulen und Straßen müssen neu aufgebaut werden. Zudem werden dringend Lebensmittel benötigt, weil andernfalls nach Angaben von UNO-Generalsekretär Kofi Annan für zwei Millionen Menschen binnen Wochen eine Hungersnot droht. Annan hatte auf der Konferenz vor den Vertretern von 60 Ländern eindringlich um Hilfen geworben.

Friedensvertrag

Neben den USA und der Europäischen Kommission zählen Großbritannien mit 545 Millionen, Norwegen mit 250 und die Niederlande 220 Millionen Dollar zu den größten Geldgebern. Ursprünglich hatte sich der Sudan auf der Geber-Konferenz Zusagen über 2,6 Milliarden Dollar erhofft. An der Konferenz nahmen auch die einst verfeindeten Vertreter der sudanesischen Regierung und der Rebellen teil.

Unter internationaler Vermittlung hatten sich Regierung und Rebellen im Südsudan im Jänner 2005 auf einen Friedensvertrag geeinigt. Er sieht die Bildung einer Übergangsregierung und eine Dezentralisierung der Macht vor. Allerdings kam es seitdem immer wieder zu Verzögerungen in der Umsetzung der Vereinbarungen. Die Zahlung der Hilfsgelder ist daher auch an eine Umsetzung des Friedensabkommens geknüpft.

Öl

In Sudans zweiter Konfliktregion, dem im Westen gelegenen Darfur, gibt es weiterhin kaum Fortschritte. Dort plündern arabische Reitermilizen mit Unterstützung der Regierung seit fast zwei Jahren Dörfer und töten Zivilisten. Insgesamt werden für den Wiederaufbau im Südsudan etwa acht Milliarden Dollar benötigt. Neben den Hilfsgeldern sollen dafür Einnahmen aus dem Verkauf von sudanesischem Öl genutzt werden. Der Sudan zählt zwar zu den ärmsten Länder der Welt, verfügt aber über große Ölreserven.

In mehr als 20 Jahren Bürgerkrieg sind im Süden des Landes rund zwei Millionen Menschen ums Leben gekommen, vier Millionen wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Ausgelöst wurden die Unruhen 1983, als Regierungstruppen versuchten, im christlich-geprägten Süden das islamische Rechtssystem Scharia durchzusetzen. (APA/Reuters)

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    Zwei Millionen Menschen wurden seit 2003 aus der Krisenprovinz Darfour im Westsudan vertrieben. Sie leben in Flüchtlingslagern, etwa in Aweil im Süden von Khartoum.

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