Wohnen in mittelalterlichen Gebäuden auf höchstem Niveau

12. Mai 2005, 12:59
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Steingasse - nach aufwendigen Sanierungsarbeiten entwickelt sich eine der ältesten Straßen Salzburgs zum Wohntraum für große Geldbeutel.

Im Mittelalter noch der wichtigste Transportweg für Salzfuhrwerke aus dem Süden und Heimat von zahlreichen Handwerksbetrieben die den damals noch direkten Zugang zur Salzach nützten, scheint die verwinkelte Gasse heute ein Schattendasein neben der viel frequentierten Linzergasse zu fristen. Nach der Salzachregulierung 1860 wanderten die Brauer, Hafner und Färber ab und die Steingasse wurde zur Heimat für die ärmste Bevölkerungsschicht. Nach den zahlreichen Renovierungsarbeiten sind die teilweise 500 Jahre alten Gebäude heute wieder auf dem Weg eine, für Stadtverhältnisse, ruhige Wohngegend zu werden.

Sanierungskosten in Millionenhöhe

Die Innen und Außen Sanierung der historischen Bauten ist nicht zuletzt durch unvorhersehbare Eigenheiten der mittelalterlichen Stadthäuser sehr kostspielig und ging bei den zuletzt wieder instand gesetzten Objekten der Steingasse 22 und 43 in die Euro Millionenhöhe.

Besonders die Fundamente haben im Laufe der Jahre unter dem sinkenden Grundwasserspiegel und der Untergrundverdichtung durch den massiven Verkehr in der Imbergstraße gelitten. Heute sind sie oft nicht mehr tragfähig oft und stellen eine Herausforderung für Architekten und Bauverantwortliche dar. Amortisieren können sich die aufwendig sanierten Bauten für die Eigentümer nur durch entsprechend hohe Mieten, so entwickelt sich die schlichte Gasse zum längst nicht mehr für jedermann erschwinglichen Wohntraum.

Leben mittem in Salzburgs Weinstraße

Wohnen in diesem Teil der Altstadt mit ihren Bars, Restaurants und Weinstuben, bedeutet aber auch den nächtens regen Passantenverkehr und daraus resultierenden Müll und die Lärmbelästigungen in Kauf nehmen zu müssen.

Tagsüber ist die Gasse fast etwas zu ruhig und nur gelegentlich verschlägt es Touristen, vermutlich auf Grund veralterter Reiseführer, zum bereits 2003 aufgelassenen „Stille Nacht“- Museum. Mittlerweile gilt es als ausgeschlossen dass Joseph Mohr, der Autor des später von Mozart übernommenen „Stille Nacht“ Textes, tatsächlich in der Nummer 9 der Steingasse zur Welt kam und es erinnert nur mehr eine Gedenktafel an den vermeintlich historischen Ort.

Doch gerade für amerikanische Besucher würde sich ein paar Schritte weiter, an der Ecke zum „Das Kino“ ein historisches wenn auch nicht belegbares Kuriosum aus der Besatzerzeit finden. Ein amerikanischer Panzerspähwagen soll sich dort, beim Versuch das Schwerfahrzeug die schmale Straße hinauf zu bugsieren, mit tiefen Schrammen im Mauerwerk verewigt haben.

Wem die Mieten im neuen In-Viertel zu hoch sind kann als Touri oder Salzburger Nachtschwärmer der Gasse einen Besuch mit offenen Augen abstatten und den Charme der mittelalterlichen Mauern kostenlos genießen.(awi)
Dieser Beitrag wurde von Studierenden der Universität Salzburg in der Lehrredaktion Online Journalimus erstellt.
  • Entlang der pittoresken Gasse reihen sich die kleinen Bars und Restaurants.
    awi

    Entlang der pittoresken Gasse reihen sich die kleinen Bars und Restaurants.

  • Amerikanische Panzerspuren in der Hausmauer des angrenzenden "Das Kino".
    awi

    Amerikanische Panzerspuren in der Hausmauer des angrenzenden "Das Kino".

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