Monegassen machen sich auf Änderungen unter Albert II. gefasst

25. Mai 2005, 16:34
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Pariser Ex-Polizeipräfekt künftiger Regierungschef des Zwergstaates - Weitere Umstrukturierung der Regierung steht bevor

Monaco - Nach dem Tod von Fürst Rainier III. machen sich die Monegassen auf einschneidende Änderungen unter dem neuen Fürsten Albert II. gefasst. Der 47-Jährige, der in den USA ausgebildet wurde, werde sich mit einem "verjüngten Team" umgeben, sagte der Monaco-Spezialist Roger-Louis Bianchini am Montag. Mehrere enge Mitarbeiter des am 6. April verstorbenen Monarchen müssten damit rechnen, von 40-Jährigen abgelöst zu werden. Finanzminister Franck Biancheri werde dabei "mit Sicherheit eine Schlüsselposition" übernehmen.

Regierungschef Proust

Bereits im Mai soll der frühere Pariser Polizeipräfekt Jean-Paul Proust in Monaco das Amt des Regierungschefs ("Ministre d'Etat") übernehmen. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern, die eher repräsentative Funktionen übertragen bekamen, sei Proust ausgewählt worden, "um Albert wirklich zu unterstützen", analysierte Bianchini, der durch seine Enthüllungs-Storys über das monegasissche Machtgefüge bekannt wurde, die er etwa in seinem Buch "Monaco, une affaire qui tourne" ("Monaco - geschmierte Geschäfte") veröffentlichte.

Nicht völlig souverän

Das Fürstentum ist völkerrechtlich nicht vollständig souverän, da Frankreich sich vertraglich unter anderem das Recht gesichert hat, dem Fürsten den Regierungschef vorzuschlagen. Der Zwergstaat an der Cote d'Azur ist seit 1963 durch eine Zoll- und Währungsunion mit Frankreich verbunden. Neben dem Premier sind auch der Innen- und der Justizminister Franzosen, die meisten "sensiblen" Posten sind mit französischen Beamten besetzt.

Als Fürst Rainier III. 1949 als Nachfolger seines Großvaters den Thron bestieg, war Monaco nicht mehr als eine Operettenmonarchie. Rainier machte aus seinem Erbe einen florierenden Finanzplatz. In Monaco haben zahlreiche Bankhäuser mit hohen Depotsummen ihren Sitz; die große Mehrheit der Bankkonten gehört Firmen oder Privatkunden, die nicht in Monaco ansässig sind. Das "Paradies der Reichen" mit einer Größe von 195 Hektar ist nach der Verfassung von 1962 eine konstitutionelle Erbmonarchie. (APA)

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