ÖVAG steigerte Jahresgewinn um 56 Prozent

2. Mai 2005, 12:44
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Betriebsergebnis 2004 um ein Drittel höher - Mindestens 75 Prozent an Investkredit angepeilt

Wien - Die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG), die zurzeit die Übernahme der börsenotierten Investkredit betreibt, hat im Jahr 2004 hoch zweistellige Zuwächse im Gewinn verbucht. Der Konzern-Jahresüberschuss ist um 56,4 Prozent auf 88,4 Mio. Euro gestiegen. Auch operativ lagen die Zahlen deutlich über dem Vorjahr: Das Betriebsergebnis nahm um 32,6 Prozent auf 129,3 Mio. Euro zu, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) stieg um 25,99 Prozent auf 150,3 Mio. Euro.

Die Bilanzsumme zum Ultimo 2004 betrug 23,8 Mrd. Euro, das war ein Zuwachs um 10,3 Prozent. Die Ostexpansion brachte neuerlich auch einen Mitarbeiterzuwachs. Die durchschnittliche Anzahl der Beschäftigten im Konzern stieg um rund 500 auf knapp 5.000.

75 Prozent an Investkredit angepeilt

Dass sie die börsenotierte Investkredit unter ihr Dach bekommt, ist für die ÖVAG-Spitze mehr eine Frage der Zeit als des Preises. "Entscheidungen dieser Dimension brauchen ihre Zeit in den einzelnen Häusern", sagte ÖVAG-Chef Franz Pinkl auf die Frage, ob in den Verhandlungen mit den Mitaktionären Bank Austria und Raiffeisen Zentralbank Preisfragen oder andere prinzipielle Fragen zu klären sind, um sie zum Verkauf ihrer Investkredit-Pakete zu bewegen. "Natürlich ist es unser Ziel, auf wenigstens 75 Prozent zu kommen", betonte Pinkl am Montag vor Journalisten.

Vorbehaltlich des Grünen Lichts der EU-Wettbewerbsbehörde hält die ÖVAG seit Februar 45,5 Prozent an der Investkredit. Sobald das "Okay" aus Brüssel da ist, wird das bisher freiwillige Übernahmeoffert für alle restlichen Aktien in ein Pflichtoffert umgewandelt. Bis Anfang Juni ist Angebotsfrist.

Geboten werden allen Aktionären 123 Euro je Aktie. Man habe damit einen "fairen Preis" geboten und sehe keine Notwendigkeit nachzubessern, sagte Pinkl heute. Man habe ausführlich bewertet und errechnet, dass der jetzt gebotene Preis für die ÖVAG als gutes Investment "darstellbar" sei.

Mit der jetzigen Beteiligungshöhe könne man quoten-konsolidieren, ab 50 Prozent vollkonsolidieren. Der Unterschied allein bei der Konsolidierung wäre "denkbar klein", so Pinkl. Er macht aber kein Geheimnis daraus, dass er deutlich mehr anstrebt: "Natürlich ist die Integration bei 75 Prozent oder sogar hundert Prozent einfacher und ertragreicher als wenn wir bei 45 Prozent bleiben".

Gespräche mit Mitbewerbern

Mit Bank Austria Creditanstalt (28,1 Prozent) und Raiffeisen Zentralbank (18,3 Prozent) will Pinkl in den nächsten Wochen und Monaten jedenfalls ausführliche Gespräche führen. Den Streubesitz am Investkredit-Kapital bezeichnet Pinkl als mittlerweile "relativ dünn". Sein Haus habe aber nicht aus Streubesitz zugekauft.

Abzüglich jener 3,5 Prozent, die die ÖVAG schon zuvor besaß und samt der bereits von BAWAG, Erste Bank und Wiener Städtischer übertragenen Aktien würde die Investkredit-Totalübernahme die Volksbanker 755 Mio. Euro kosten.

Kapitalerhöhung bei Totalübernahme

Pinkl ließ durchblicken, dass im Fall einer Totalübernahme eine Kapitalerhöhung in seinem Haus wahrscheinlich würde. Abhängig von der letztlich erreichten Beteiligungshöhe würde man "Kapitalmaßnahmen" überlegen, formulierte er. Verharre man bei den jetzigen Anteilen, wäre das nicht erforderlich, bei 100 Prozent aber demnach schon. Die regionalen Volksbanken haben bereits vor Wochen öffentlich ihre Unterstützung für den Fall zugesagt (derStandard.at berichtete).

Die Eigenmittel der ÖVAG sind 2004 - auch durch eine Hybridkapitalemission - von 1,496 auf 1,946 Mrd. Euro angestiegen. Man sei gut mit Kapital versorgt, versicherte Pinkl. Damit erst habe man sich in Dimensionen eines Investkredit-Offerts vorwagen können.

Mit der Übernahme der Nummer sechs am heimischen Bankenmarkt werde man auch zur "systemrelevanten" Bank. Als Nummer fünf werde man damit den Abstand zur Nummer vier deutlich verringern.

Auch Kommunalkredit "sehr gutes Investment"

Pinkl bekräftigte, dass die Investkredit als Spezialbank für Unternehmensfinanzierung ideal zur ÖVAG passen würde, im Kommerzkreditbereich sei ein gemeinsames "Kompetenzzentrum" geplant. Auch zwischen Immoconsult und Europolis gebe es eine Menge Synergien. Auch die Investkredit-Hälftetochter Kommunalkredit nennt er "ein sehr gutes Investment", mit der Beteiligung an der NÖ Hypo sieht er keine Überschneidungen. Gerüchte, wonach es mit Raiffeisen einen Abtausch geben könnte - Hypo-Anteile an Raiffeisen gegen Abtretung der RZB-Anteile der Investkredit an die ÖVAG - werden von Pinkl überhaupt nicht kommentiert. (APA)

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    ÖVAG-Generaldirektor Franz Pinkl hält im Fall einer Totalübernahme der Investkredit eine Kapitalerhöhung in seinem Haus für wahrscheinlich.

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