Was Leiden schafft

12. April 2005, 07:00
25 Postings

Die Unternehmens-Beratung Tema wirbt mit "Leidenschaft" und ebensolcher, jedoch misslicher Bildgestaltung - Eine Zitrone

Kennen Sie Simone de Beauvoir? Oder wenigstens das Buch der grandiosen existenzialistischen Schriftstellerin, in dem sie überaus ironisch die Gesellschaft der Neureichen, in der Gefühle zu Werbespots verkommen, aufs Korn nimmt und aufzeigt, wie die Menschen an den Heucheleien der spätkapitalistischen Welt ersticken? Weil "Die Welt der schönen Bilder", so der Titel des Romans von Beauvoir, nichts anderes ist als ein oberflächlich gezimmertes Skelett, wo Leiden keinen Platz finden darf, das Leidenschaffende übertüncht werden muss zugunsten dessen, was unter strahlender Leidenschaft im positivistischen Sinn konstruiert wird.

Um so etwas wie Leidenschaft geht es der Unternehmensberatung Tema auch, wenngleich die "schönen Bilder" der Homepage, welche die Basisaussage des Tema-Teams unterstreichen, nämlich, dass Leidenschaft zum Erfolg führen würde, so schön nun wirklich nicht sind. Und was diese mit dem Thema Erfolg gemeinsam haben könnten, hinterlässt zudem ein großes Fragezeichen.

Unter dem Sogan "Leidenschaft ist der Antrieb zum Erfolg" werden in Bildfolgen zum einen junge Pärchen gezeigt: schmusend, lasziv sich gegenseitig entblätternd, kuschelnd, duschend und fröhlich in der Natur hüpfend. Zum anderen vordergründig phallisch tanzende männliche Muskelberge. Gleichzeitig ist das Gesicht von Hermann Fuchs, einem der "freien Manager" von Tema zu sehen: mit ernstem, ja sorgenvollen Blick leiert er unaufhörlich - vermutlich seine Leidenschaft - die Botschaften für den zu erzielenden Erfolg herunter: Leidenschaft.

Nun gut, es ist ja nichts Neues, dass sich die werbliche Bebilderung in einem Großteil der Fälle als sehr problematisch erweist. Dabei handelt es sich beim hier angeführten Beispiel gar nicht primär um Sexismus, sondern vielmehr um die peinliche Tatsache, dass die kommerzialisierte Vermarktung von Körpern - beiderlei Geschlechts - kein Ende findet, vor allem dann nicht, wenn absolut kein nachvollziehbarer Konnex zwischen Aussage von Text und Bild gegeben ist. Der Missbrauch von Sinnlichkeit, Trieben und wie in diesem Fall von sogenannter Leidenschaft, stellt nicht bloß eine lanweilige, abgenutze Billigkeit dar, sondern erweist sich darüber hinaus als einfallslos und lächerlich.

Für diesen misslungenen Akt an Kreativität hat sich der Drei-Männer-Bund von Tema eine Zitrone verdient. Mit Leidenschaft! (dabu)

12.04.2005

Link

Zur Homepage von TEMA
  • Artikelbild
    foto: montage/diestandard.at
Share if you care.