Eingriff von oben

11. April 2005, 20:09
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Es war am Freitag. Da stolperten wir über das TV-Interview, das C. Donnerstagabend gegeben hatte.

Es war am Freitag. Da stolperten wir über das TV-Interview, das C. Donnerstagabend gegeben hatte. Und landeten später natürlich prompt in einer Prinzipiendebatte. Über das, was Männer im Bett tragen dürfen.

C., der frühere Jugend-TV-Moderator, der dem Tritsch-Tratsch-Mädchen-V. zuerst ins Billa-Werbefernsehen und dann in die ebenso nichtssagende wie totale Moderatoren-Beliebigkeit gefolgt ist, hat sich nämlich ausgezogen. Sagt das Plakat, das mit seinem Konterfei und einem nackten Körper drunter landesweit afichiert wird: C. wirbt für eine Unterhose. Wieso er das nackt tut, ist –bleibt – ein Geheimnis.

Vorteil

Wie es sich gehört, wurde die an den mutmaßlich wichtigen Menschen dieses Landes hochinteressierte Öffentlichkeit in Form einer Handvoll ausgewählter Journalisten zur Präsentation geladen. Und C. referierte (angezogen – ob das wirklich sein Körper ist und/oder ob der wirklich so makellos ist, werden wir nie wissen) ausführlich, was der Vorteil der von ihm nicht getragenen Unterhose im Vergleich zu feinrippigem Textil sei.

Weil aber Untergatte hocherotisch ist, erklärte C., dass die von ihm beworbene Leibwäsche bei nicht-jugendfreien Aktivitäten einen Wettbewerbsvorteil böte: Den Eingriff von oben. Das erspare – erklärte C. sinngemäß – im Ernstfall das Herunterlassen des Beinkleides. Bei der „Klassischen“ mit Seit-Eingriff nämlich ... und so weiter.

Lotrecht grauenhaft

Es war A., die aufjaulte. So, als habe man ihr mit dem Hammer auf den Zeh geschlagen. Sie habe, erklärte sie, versucht, sich einen Mann (nicht einmal C., irgendeinen Mann) vorzustellen, der zum Vollzug die Hose fallen lasse - und voll Stolz darauf hinweise, dass er eine Unterhose trage, die sofortigen lotrechten Zugriff ermögliche. Und es so zulasse, ohne Herunterlassen der Unterhose zur erotischen Tat zu schreiten.

Das Bild, das sich da vor ihrem geistigen Auge gebildet habe, sagte A., sei jämmerlich gewesen. Kläglich. Absurd. Verheerend. Und ganz bestimmt nicht stimulierend. Und dann noch die Vorstellung von C., wie er mit um die Knöchel schlotternder Hose und seiner Schnellzugriffshose geifernd und gierig irgendwo irgendwen auf die Schnelle – „vielleicht ja sogar noch in irgendeinem Beisl- oder Disco-Klo – oh Gott, wie billig“ - beglücken wolle, wäre klagte A., das seit Jahren niederschmetterndste Bild, das sie sich von einem Mann im Taumel der Hormone ausmalen könne.

Sockenträger

Das sei, meinte A., noch unerotischer, als ihr bisheriger All-Time-Klassiker: Der Mann, der nackt aber mit Socken – am besten noch weißen Tennissocken, obwohl das, meint sie, dann auch schon fast egal sei, zum Akt schreiten will.

Am Sonntag erzählte A. die Geschichte dann im reundeskreis. Und erntete Zustimmung. Nur D. zog die Stirn kraus: Prinzipiell, sagte sie, stimme sie A. voll zu – bloß wäre es ja möglich, dass wir den Zug der Zeit versäumt hätten: Wenn sogar die immer noch hippen Sauteuertaschenproduzentenbrüder Freitag eine Herrenhandtasche auf den Markt brächten, sei wohl auch der Begatter in der Untergatte schick und denkbar – aber sollten demnächst auch noch Panzerkettenarmbänder und Unterleiberln zum guten Ton im Bett erklärt werden, wäre es für sie an der Zeit, über den Gang ins Kloster nachzudenken.

A.

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"Wiener Stadtgeschichten" mit Illustrationen von Andrea Satrapa-Binder, Echomedia Verlag Ges.m.b.H., ISBN 3-901761-29-2, 14,90 Euro.
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