Als Alternative: "Wir feiern die Niederlage"

8. April 2005, 18:39
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Als temporäre Kunstintervention wurde das "Monument für die Niederlage" enthüllt

Wien - Kritische Vergangenheitsbewältigung als Alternative zum vorherrschenden Konzept: Nicht zuletzt weil Österreich mit dem bombastischen Event 25 Peaces zum unbeteiligten Schauplatz der Kriegshandlung zwischen Alliierten und "Anhängern" der NS-Diktatur stilisiert wird, wurde am Freitag ein Monument für die Niederlage im Wiener Ostarrichi-Park enthüllt.

Die aus der Wiener Kunstszene stammenden Initiatoren dieser eintägigen künstlerischen Intervention im öffentlichen Raum sind Martin Krenn, Charlotte Martinz-Turekim, Nora Sternfeld und Luisa Ziaja. Sie wollten daran erinnern, dass es auch differenziertere Positionen zur NS-Vergangenheit gibt.

Und so prangte ein zwei Meter hoher, elf Meter breiter Sockel vor der Nationalbank. Auf dem achteckigen Objekt gegenüber des Landesgerichtshofs forderten Texte der Wissenschafter Winfried Garscha, Walter Manoschek und Alexander Pollak einen differenzierten Umgang mit dem Thema der Österreichischen Befreiung nach 1945.

Garscha vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes beschäftigte sich dabei mit dem Prozess der Entnazifizierung in Österreich und warf die Frage auf, warum die Wiederintegration von 600.000 österreichischen Nationalsozialisten ohne Maßnahmen der Re-Education verlaufen konnte.

Das Monument für die Niederlage stellt somit das Bemühen dar, den Mythos um die Opferrolle Österreichs zu überwinden - mit den Konsequenzen der lückenloser Restitution bzw. Vergangenheitsaufarbeitung. Es gehe, so die Initiatoren, dabei nicht um Schuldzuweisungen. Vielmehr solle endlich eine annehmbare Position zur Österreichischen Vergangenheit gefunden werden.

Den Anfang bildet der Sockel, der längerfristig mit einem Denkmal gefüllt werden sollte, finden die Künstler. Garscha: "Wir sind ganz normale Europäer. Und die Nazis waren ganz normale Nazis. Und das ist schlimm genug." (Der Standard, Printausgabe, 9./10. 04. 2005)

Von
Georg Petermichl
  • Artikelbild
    foto: krenn
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