Blake Edwards: "Der Partyschreck"

8. April 2005, 23:50
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Einer der wenigen echten Experimentalfilme aus Hollywood: Studie der Auflösung, Happening der Destruktion aus dem Geiste des Slapstick ...

Man merkt es erst auf den zweiten Blick, weil der Film so gut als Comedy funktioniert. Doch Blake Edwards' Der Partyschreck ist einer der wenigen echten Experimentalfilme aus Hollywood. Eine Studie der Auflösung, ein Happening der Destruktion aus dem Geiste des Slapstick, von Edwards in Szene gesetzt als gewagte Bild- und Toncollage, als Selbstreflexion auch über Hollywood und das Filmemachen. Zudem gibt es wenige Filme, die den Geist der späten Sechzigerjahre so genau beschreiben. Mit der ihm eigenen Skepsis und Professionalität behandelt Edwards Themen wie die beginnende Globalisierung, Rassismus und Sexismus, freie Liebe und Studentenrevolte.

Der indische Kleindarsteller Hrundi V. Bakshi, den Peter Sellers in einer schier unglaublichen Performance gibt, kommt, nachdem er tollpatschig ein ganzes Movieset zerstört hat, auf Hollywoods schwarze Liste. Durch Zufall rutscht sein Name dann aber auf die Gästeliste eines mächtigen Studiochefs, der zu einer großen Hollywoodparty in seinem Heim in Beverly Hills lädt, einer wahren Pop-de-luxe-Wohnlandschaft mit Springbrunnen, Wasserwegen, Pools und allerlei automatischen Installationen. Mit seinem anachronistischen Morgan Threewheeler tuckert Bakshi zur Party, wo er von Anfang an ein kultureller Außenseiter bleibt. Wie Bakshi nun durch die Partygesellschaft driftet, vergeblich um Smalltalk bemüht, das zeigt Edwards als irrwitzigen Tanz der Entfremdung und Einsamkeit. Es ist Bakshis beinahe nervende Anständigkeit, die ihn zu einem Subversiven macht, zu einem Terroristen wider Willen.

Wir lachen und leiden mit dem irre-sanften Bakshi, wenn er verzweifelt versucht, eine kaputte Klospülung in Ordnung zu bringen und dabei immer mehr Chaos anrichtet. Bevor Bakshi alle Schleusen der Villa öffnet, lernt er noch zwei andere Outsider kennen: ein depressives französisches Starlet, in das er sich sogleich verliebt, und einen Kellner, dessen grandiose Trunkenheit eine private Rebellion darstellt.

Am Ende, als noch russische Tänzer und eine Studentengruppe mit einem kleinen Elefanten zur Party stoßen, versinkt diese ganze falsche Welt in einem riesigen surrealistischen Seifenbad. Tatsächlich beginnt alles zu schwimmen, der Slapstick wird zu einer Art kalifornischer Aktionskunst. Und man spürt bei den melancholischen Klängen von Henry Mancinis Musik, dass Edwards' wunderbare Comedy ihre Basis im Melodram und in der Tragödie hat. (DER STANDARD, Printausgabe, 09./10.04.2005)

Von
Hans Schifferle
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