Hintergrund: Seit 15 Jahren wiedervereinigt

19. Mai 2005, 12:02
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Zusammenschluss der Arabischen Republik mit der Demokratischen Volksrepublik im Jahr 1990

Sanaa/Wien - Die Republik Jemen entstand vor fünfzehn Jahren durch den Zusammenschluss der Arabischen Republik Jemen (Norden) mit der Demokratischen Volksrepublik Jemen (Süden). Anders als in Deutschland, wo die DDR in der BRD aufging, erfolgte die Vereinigung der beiden jemenitischen Staaten trotz erheblicher Unterschiede in der Bevölkerungszahl (3,5 Millionen Einwohner im Süden; 10,5 im Norden) zunächst weitgehend unter Berücksichtigung der Besonderheiten des laizistisch orientierten südlichen Landesteils. Ein mehrmonatiger verlustreicher Bürgerkrieg im Jahr 1994 endete mit dem Sieg der nördlichen Kräfte.

"Arabia Felix"

Der Jemen hat eine weit zurückreichende Geschichte. Die Römer nannten ihn "Arabia Felix". Von 1537 bis 1918 stand das Land unter osmanischer Herrschaft - ab 1635 nur nominell. 1918 wurde Nordjemen nach vier Jahrhunderten unabhängig vom Osmanischen Reich. Als absolute Monarchie war das Land 1945 Gründungsmitglied der Arabischen Liga. Die Revolution 1962 führte zum Sturz der Monarchie und einem bis 1970 dauernden Bürgerkrieg, in dem die Republikaner von Ägypten, die Royalisten vom benachbarten Saudiarabien unterstützt wurden. Die von Ägypten mit sowjetischen Waffen ausgerüsteten Republikaner unter Oberst Abdullah Sallal besiegten schließlich die Stammeskrieger von König Mohammed al Badr.

Schutzverträge

Im Südjemen endete 1967 nach fast 130 Jahren die britische Präsenz. 1839 hatten die sich Briten in Aden festgesetzt und ab 1881 durch eine Reihe von Schutzverträgen mit lokalen Herrschern ein Protektorat errichtet. 1963 begann der bewaffnete Kampf einer marxistisch orientierten Befreiungsfront gegen die Kolonialmacht. In der Demokratischen Volksrepublik kam es 1969 zur Machtübernahme des radikalen Flügels der Befreiungsfront. Durch den Putsch gegen Staatspräsident Salem Robaya Ali gelangten moderatere Kräfte in Aden an die Macht, die unter dem Eindruck des Zusammenbruchs des Ostblocks die Vereinigung mit dem Norden vorantrieben.

Lebensbedingungen

Die Wiedervereinigung sollte dem Land wirtschaftlichen Auftrieb geben. Dennoch verschlechterten sich die Lebensbedingungen. Ursache dafür sind die Machtkämpfe, die fehlende Bereitschaft der traditionellen Stammesführer zur Kooperation mit der Zentralgewalt und die pro-irakische Haltung während des Golfkriegs, die zur Abschiebung Hunderttausender von Gastarbeitern aus Saudiarabien geführt hatte. Zudem kam es zum Versiegen des Ölstroms aus Saudiarabien und dem Irak. (APA)

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