"Liesing ist ein Durchzugsbezirk"

Redaktion, 18. Mai 2005, 14:30
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    foto: bv 23

Manfred Wurm im E-Mail- Interview: Der Bezirksvorsteher von Liesing über Stärken und Probleme seines Bezirks

derStandard.at hat seine Wien-Berichterstattung um Bezirksseiten erweitert. In einer E-Mail-Interviewserie stellen wir aus diesem Anlass die BezirksvorsteherInnen der einzelnen Bezirke vor. An der Spitze des 23. Wiener Gemeindebezirks, Liesing, steht seit 1995 Manfred Wurm (SPÖ).

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derStandard.at: Was zeichnet Ihren Bezirk aus?

Wurm: Seine Vielfalt in Landschaft, Geschichte und Kultur, die nach wie vor existenten acht Dörfer, sowie die Lagegunst im Südwesten Wiens. Der 23. Bezirk ist daher eine bevorzugte Gegend für Wohnen, aber auch für Betriebe. Außerdem gedeihen im Bezirk hervorragende Weine.

derStandard.at: Ihr Lieblingsplatz im Bezirk?

Wurm: Ich bin gerne im Bezirk. Und es gibt mehrere schöne Plätze, die ich gerne herzeige: zum Beispiel manche Stellen an der Liesing, im Maurer Wald, bei der Bergkirche Rodaun oder auch auf dem Dach des Wohnparks Alt-Erlaa, von wo aus man den gesamten Bezirk überblicken kann.

derStandard.at: Was sind die größten Probleme in Ihrem Bezirk?

Wurm: Es gibt zwei wesentliche Probleme, wobei diese nur in geringem Umfang vom Bezirk beeinflussbar sind: die Situation am Arbeitsmarkt und den Verkehr.

Die Chance, in Liesing einen Arbeitsplatz zu finden ist zwar nach wie vor größer als in anderen Bezirken und ich bin auch ständig „unterwegs“, damit neue Betriebe angesiedelt und bestehende gehalten werden, aber es bedürfte hier weitaus größerer Anstrengungen seitens der Bundesregierung.

Liesing ist ein Durchzugsbezirk: Alle, die aus dem Raum Mödling/Baden bzw. aus dem südlichen Wienerwaldgebiet nach Wien wollen, müssen durch den 23. Hinzu kommt eine hohe Motorisierungsdichte im Bezirk selbst. Es wird auf die Dauer nicht möglich sein, die negativen Auswirkungen des eigenen Mobilitätsverhaltens zu kaschieren oder zum Verschwinden zu bringen.

derStandard.at: Welche Faktoren sind für die wirtschaftliche Entwicklung im Bezirk entscheidend?

Wurm: Da ist zum Einen einmal die äußerst günstige Verkehrslage mit Südbahn, Pottendorfer Linie und Donauländebahn, Südautobahn, Außenringautobahn, SO-Tangente und künftig der S 1. Alle diese Verbindungen führen durch den 23. Bezirk. Dies ist auch für die exportorientierte Wirtschaft wichtig, weil hier alle europäischen Destinationen unmittelbar über das hochrangige Bahn- und Autobahnnetz erschlossen sind.

Zum Zweiten sind es das wirtschaftsfreundliche Klima im Bezirk und die Einrichtungen, die wir geschaffen haben, konkret der regionale Wirtschaftsmanager, die Personal-Finder, die Projektsprechtage, das regionalpolitische Netzwerk Interdisk und die AK-Servicestelle.

derStandard.at: Was sind die Schwerpunkte Ihrer bezirkspolitischen Tätigkeit?

Wurm: Siehe "Probleme im Bezirk". Außerdem: Schulen und Kindertagesheime, die Revitalisierung des Liesingbaches und Bürgerbeteiligungsprojekte. Ich bin außerdem im Stadtumlandmanagement (SUM) engagiert, das die Zusammenarbeit der Bezirke und Orte im „Grenzland“ Wien – Niederösterreich koordiniert sowie im Projekt „Biosphärenpark Wienerwald“. Überdies verfügt der 23. Bezirk über aktive Partnerschaften mit dem 15. Bezirk der Stadt Budapest und der Stadt Ulcinj/Montenegro.

derStandard.at: Laufen in Ihrem Bezirk BürgerInnenbeteiligungsverfahren?

Wurm: Es gibt die Lokale Agenda 21 mit mehreren Arbeitsgruppen. Außerdem ein Schüler- und Jugendparlament, das 2005 noch ausgeweitet wird. Mitgestaltungsmöglichkeiten gibt es überdies bei einzelnen Projekten wie Straßen- oder Platzumgestaltungen oder bei der Errichtung neuer Spielplätze (da können besonders Kinder mitgestalten). Es existieren überdies auch zahlreiche Vereine, Aktivistengruppen und Organisationen im politischen, sozialen und kulturellen Bereich sowie aktive Pfarren, die das Geschehen im Bezirk wesentlich mit beeinflussen.

derStandard.at: Ihre Strategie in Sachen Hundekotproblem?

Wurm: Es gibt keine spezielle Strategie. Wir setzen auf möglichst viel Verständnis und Einsicht der Hundehalter. Mehrere Hundezonen wurden in den letzten Jahren errichtet.

derStandard.at: Wie stehen Sie zur Einführung von "Schutzzonen" im Bereich von Schulen?

Wurm: Dafür besteht keine Notwendigkeit. Außerdem hätte unsere Polizei auf Grund der Personaleinsparungen gar nicht die notwendigen Kapazitäten, um eine Schutzzone zu überwachen.

derStandard.at: Gibt es im Bezirk Maßnahmen für die Integration von Minderheiten?

Wurm: Der 23. Bezirk hat einen sehr niedrigen Anteil an ausländischen Mitbürgern. Integrationsprobleme gibt es keine, Kontakte zu Migrantenorganisationen oder zur islamischen Gemeinde existieren aber trotzdem. Liesing hat mit dem Projekt „Globaler Hof“ im Bereich „In der Wiesen“ ein Vorzeigeprojekt in Sachen Integration vorzuweisen.

derStandard.at: Haben Sie ein politisches Vorbild?

Wurm: Ich habe einige Jahre als Mitarbeiter von Bruno Kreisky gearbeitet. Er war eine eindrucksvolle Persönlichkeit. Und weil er auch persönliche Schwächen hatte, war er für mich kein „Übermensch“.

derStandard.at: Mit welchen Eigenschaften würde Sie ein Freund charakterisieren?

Wurm: Ausdauernd, bescheiden, einfühlsam, manchmal ungeduldig und mitunter zu gutmütig.

derStandard.at: Ein persönlicher Tipp für Ihren Bezirk?

Wurm: Besuchen Sie einmal einen Heurigen in unserem Bezirk. Sie werden begeistert sein und sicher wieder kommen.

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11 Postings
1000 Kopfläuse können nicht irren
00
17.9.2007, 17:21
Bin in Liesing aufgewachsen...

... und lebe seit über 10 Jahren nicht mehr dort. Ich muss aber leider bestätigen, dass die Verkehrssituation in diesem ehemals ruhigen Bezirk unerträglich ist und damit mein Entschluss richtig war, aufs Land zu ziehen (keine Angst, ich fahre nicht durch Liesing, 300 km wären mir doch zuviel! *g*).

Es ist schade drum, abgesehen davon sind die Wohnungspreise bereits seit 20 Jahren fast nicht mehr leistbar. Aber dies könnte sich mit zunehmendem Verkehr auch ändern, ist aber wohl nicht der Sinn der Sache...

seth
 
40
13.11.2005, 08:38
Wurm: Besuchen Sie einmal einen Heurigen in unserem Bezirk.

duerfte seine lieblingsbeschaeftigung sein...

Ferdinand Berger
00
31.5.2005, 15:56
In den letzten Jahren wird es nur schlimmer...

Also ich wohne seit über 30 Jahren im 23. Bezirk, muss aber feststellen das es von Jahr zu Jahr mehr bergab geht. In den Häusern runderherum wird seit zwei Jahren mehr eingebrochen und die Polizei steht trotzdem lieber mit der Radarpistole statt mal auf Streife zu gehen... Der Durchzugsverkehr wird durch idiotische neue Ampeln, dessen Schaltung wohl Schimpansen logischer vornehmen würden unnötig behindert, so dass noch mehr Stau und Lärmbelastung als Notwendig ist (Stichwort Triester Straße wo seitdem zwei neue Ampeln vor Vösendorf sind täglich Staus sind wo vorher keine waren...). Ich persönlich freue mich schon auf einen baldigen Umzug in den Bezirk Mögling oder Baden wo es im Gegensatz zu Wien noch Lebensqualität gibt...

Hannes .
01
14.6.2005, 18:27
Und dann vermiesen sie anderen die Wohnqualität

weil sie durch den 23. fahren!

Franzjosef Moser
00
17.5.2005, 22:08
Wurmfortsatz

Wenn sich der Herr Bezirksvorsteher wirklich - wenn schon nicht am liebsten, sondern manchmal - an der Liesing oder bei der Bergkirche Rodaun aufhalten würde, wäre ihm die Freude am Aufenthalt durch den Fluglärm gründlich vergällt. Durch die Verlegung der Flugrouten wurde Liesing zum Wurmfortsatz von Schwechat. Mit Zustimmung und durch Initiative des Herrn Bezirksvorstehers, der sich dafür von diversen subalternen Gazetten feiern läßt.

Bucine
00
17.5.2005, 15:58
Ein echter Politiker...

unser Herr Bezirsvorsteher. Im Interview wird die Initiative gegen den Fluglärm verschwiegen. - Es ist unnötig sich mit dem Rückbau des Liesingbachtales ununterbrochen und unnötig selbst zu beweihräuchern und die Flugroute von Mauer genau über dieses Liesingbachtal zu legen. Etwas kurzsichtig ist es auch, denn die Maurer Bürger werden wohl nicht zum SPÖ Wählerpotential zählen, die Menschen, die in den Gemeindebauten entlang der Liesing leben eher doch. Also auch noch recht ungeschickt. Aber die nächste Wahl kommt ja ....

Georg Winkler
00
17.5.2005, 14:34

Sehr geehrter Hr. Wurm. Ein Problem haben Sie offensichtlich schon vergessen obwohl bereits mehr als 10.000 Unterschriften gegen dieses Problem gesammelt wurden. Wenn Sie sich tatsächlich auch nur selten auf den von Ihnen genannten Plätzen aufhalten würden, dann würden Sie ihre Liesinger Bürger/Wähler auch tatsächlich verstehen. Zu Erinnerung: seit 1.4.2004 ist Liesing ein Vorort von Schwechat und eigentlich können wir uns eine Bezirksvertretung in Liesing sparen da Sie alle vertreten nur nicht die Liesinger Bürger. Wie Sie richtig erkannt haben, Lärm haben wir bereits genug.

Hannes .
01
17.5.2005, 11:12
Sie fördern aber den Individualverkehr

1) Alt Erlaa, 66A Richtung Reumannplatz.
Der Fahrgast wird erst an der Ubahn-STation vorbeigeführt und muss dann ca. 300 m zurückgehen.
Lösung:
Verlegung des Taxistandplatzes in die Schleife (dann brauchen die Taxler nicht illegal von der rechtesten Fahrspur nach links zum Wohnpark abbiegen.
Haltestelle 66A vor die Kreuzung
Verlegung der Parkplätze auf den Rest des Taxistandplatzes und in die jetzige 66A-Haltestelle.

2) Warum ist die Busspur in der A.Baumgartner Straße von Alt Erlaa zur Altmannsdorfer STraße verschwunden? Im Stau stehende Busse sind kein attraktives Anbot an öffentlichen Verkehrsmittel.

3) - 115) Wer sich im Bezirk umschaut wird noch viele derartige Beispiele finden

Gerald Born
00
28.6.2005, 09:34
taxi in busschleife

habe vor ca 4 jahren einen befreundeten meidlinger gemeinderat (grüne) gefragt, ob er mir in erfahrung bringen könnte warum die station der linie 66A (richtung reumannplatz) bei alterlaa so ungünstig plaziert ist:
angeblich gab es widerstand von seiten der taxifahrer, schon viele bürgerinnen hatten sich schon damals offiziell beschwert!

in siebenhirten haben die taxler aber einer verlegung ihres standplatzes zugestimmt => wenn das auftreten der bezirksvorstehung vehement genug wäre, gäbe es glaub ich kein problem

Harald Egger
00
17.5.2005, 14:44
Bestätigung

Die Umsteigerei von U6 auf 66a könnte wirklich besser sein!

Abalunija
00
30.8.2007, 01:04
Na immerhin...

...hat sich wenigstens dieses "Problem" gelöst ;-)

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