SPÖ mit 42 Prozent vor ÖVP

14. April 2005, 22:28
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Linz - Bei einer vorgezogenen Nationalratswahl käme das BZÖ jetzt auf sechs, die FPÖ auf drei Prozent Stimmenanteil. Die SPÖ liegt vor der ÖVP. Das zeigt eine am Freitag veröffentlichte Hochrechnung des Linzer Meinungsforschungsinstitutes "market". Eine ebenfalls am Freitag veröffentlichtes Umfrageergebnis des Linzer Meinungsforschungsinstitutes "IMAS" gab sowohl BZÖ als auch FPÖ wenig Überlebenschancen.

"Sonntagsfrage"

In einer Telefonumfrage stellte market am 5. und 6. April insgesamt 400 repräsentativ ausgewählten Österreichern ab 18 Jahren die so genannte "Sonntagsfrage", also: "Wenn am kommenden Sonntag Wahlen wären, welcher Partei würden sie ihre Stimme geben?" Die auf der Basis der Umfragedaten angestellte Hochrechnung bringt sechs Prozent Zustimmung für das BZÖ und drei Prozent für die FPÖ (das FPÖ-Wahlergebnis am 24. November 2002: 10,01 Prozent). Die ÖVP verzeichnet bei dieser Umfrage gegenüber den Umfragen in den Wochen davor ein leichtes Minus und kommt auf 38 Prozent (Wahl 2002: 42,3 Prozent), die SPÖ auf 42 Prozent (36,51). Die Grünen können mit elf Prozent (9,47 Prozent) rechnen.

IMAS befragte rund 1.000 repräsentativ für die Gesamtbevölkerung ausgewählte Personen zwischen dem 22. März und dem 5. April. Die Umfrage startete also bereits nach dem Ausschluss von Andreas Mölzer, unmittelbar vor ihrem Abschluss war auch schon die Spaltung in FPÖ und BZÖ erfolgt. 32 Prozent glaubten dabei, dass keine der beiden Gruppierungen eine Chance hätte, bei einer Wahl in den Nationalrat einzuziehen. Ein weiteres Drittel wagte keine konkrete Prognose. 25 Prozent räumten der BZÖ-Gruppe um Haider, Haubner und Gorbach die besseren Zukunftsaussichten ein. Zehn Prozent tippten auf das politische Überleben der Gruppe um Mölzer, Strache und Stadler.

IMAS: "Unverkennbares Unbehagen" bei der Bevölkerung

Ein "unverkennbares Unbehagen" bei der Bevölkerung diagnostizieren die Meinungsforscher von IMAS für den Fall, dass im Parlament aufgrund der Entwicklung bei den Freiheitlichen nur mehr drei Parteien vertreten wären. Nur 19 Prozent würden ein Drei-Parteien-Parlament ausdrücklich begrüßen. 30 Prozent fänden es nicht gut. 51 Prozent sind in der Frage unschlüssig oder stehen dem Thema mit Gleichgültigkeit gegenüber.

Ziemlich klar ist laut IMAS die Vorstellung der Österreicher davon, wer in einem Drei-Parteien-Parlament eine Regierungskoalition bilden sollte: 37 Prozent sind für ÖVP mit SPÖ, 19 Prozent für SPÖ mit Grünen, 12 Prozent für ÖVP mit Grünen. 32 Prozent zeigten sich unentschieden oder es war ihnen egal.

SPÖ sieht sich als lachender Dritter

Die SPÖ sieht sich als Profiteur der FPÖ-BZÖ-Turbulenzen. Die Meinungsumfragen von "market" und "IMAS" würden bestätigen, dass die FPÖ-Spaltung beide Gruppen in Existenzgefahr bringe, erklärte SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos in einer Aussendung am Freitag. Die SPÖ profitiere als "einzig stabile Kraft". ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka höhnte im Gegenzug: "Stabil ist bei der SPÖ nur der Zick-Zack-Kurs. Hier ist sie wirklich konsequent".

Darabos bezweifelt, dass FPÖ und BZÖ den Weidereinzug ins Parlament schaffen würden. Und auch der Schaden für die ÖVP werde sich noch verstärken, prognostizierte Darabos. Während die Umfragen vor der Spaltung ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPÖ und ÖVP gesehen hätten, zeige eine aktuelle "market"-Umfrage die SPÖ bei 42 Prozent und die ÖVP bei 38 Prozent. Darabos gehe davon aus, "dass sich das Regierungschaos und damit einhergehend auch dieser Umfragen-Trend fortsetzen wird". Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) würde die Rechnung dafür präsentiert bekommen, dass er die FPÖ wieder in die Regierung geholt hat, so Darabos.

Lopatka: SPÖ soll weiter träumen

Lopatka bezeichnete es wiederum als "grotesk", dass sich die SPÖ als "die stabile Kraft" bezeichne, wo die Sozialdemokraten bei keinem einzigen Thema eine "einheitliche Linie halten können". "Offensichtlich komme die SPÖ nicht damit klar, dass diese Regierung weiter für Österreich arbeitet." Die SPÖ solle "weiter von Neuwahlen und Umfragewerten träumen", so Lopatka. (APA)

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