Grasser lässt Schuldenfreiheit der Verstaatlichten feiern

15. April 2005, 20:31
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Dank VA-Tech-Verkauf und Umtauschanleihen auf Voest und Telekom ist ÖIAG bald schuldenfrei - Grasser will "Erfolgsstory" mit dem Post-IPO fortsetzen

Wien - Was die Öffentlichkeit der Verstaatlichtenholding ÖIAG seit deren Umrichtung in eine Privatisierungsagentur beharrlich verwehrt, nimmt die nunmehr schwarz- orange Regierung nun selbst in die Hand: Das Loben von Privatisierung und Wertsteigerung der Verstaatlichten.

Den Anfang machte am Donnerstag Eigentümervertreter Karl-Heinz Grasser, der sich über die "Erfolgsstory" gar nicht genug freuen konnte, weil die ÖIAG bereits heuer "de facto schuldenfrei" ist. Zwar weist die ÖIAG heuer noch 709 Mio. Euro Verbindlichkeiten aus, welche aber quasi Peanuts seien, weil dank VA-Tech-Verkaufs (bringt 146 Mio. Euro) und Umtauschanleihen auf Voestalpine- und Telekom-Austria-Aktien (in Summe 570 Mio. Euro) bereits überkompensiert.

Die Rechnung des Finanzressortchefs bleibt dennoch erratisch, geht er doch davon aus, dass sich mit den zwischen 2000 und 2004 eingefahrenen fünf Milliarden Euro an Privatisierungserlösen eine Nettoverschuldung in Höhe von 6,3 Milliarden Euro tilgen ließ. Zumal Grasser Schulden- und Zinstilgung mit schlanken 2,124 Milliarden bzw. 567 Mio. Euro taxierte, womit unterm Strich selbst nach Anrechnung der 555 Mio. Euro an Beteiligungserträgen bzw. Dividenden (die die ÖIAG von 2000 bis 2004 an den Bund abführte, Anm.) ein Loch von 3,6 Milliarden klaffte. Dieses ließe sich mit den 1,045 Milliarden Euro an Dividenden, die Voest, Böhler, Post, OMV und Co insgesamt an die ÖIAG ablieferten, bestenfalls verkleinern.

Gleichung geht nicht ganz auf

Grasser vermochte die zahlreichen Unbekannten in seiner Gleichung nicht aufzuklären – auch nicht bis Redaktionsschluss. Das übernahm dann – äußerst widerwillig – die ÖIAG, die damit gleich auch ihrer für Freitag angesetzten Pressekonferenz verlustig ging. Nur so viel: Per 31. Dezember 2004 betrug die Nettoverschuldung 709 Mio. Euro, nach VA-Tech-Verkauf und Umtauschanleihen werde sie Ende 2005 rechnerisch sieben Mio. Euro Überschuss ausweisen (siehe Grafik).

Noch mehr Grund zur Freude bereitet der ÖIAG freilich das Beteiligungsmanagement, ist ihr Bruttovermögen mit geschätzten 5,5 Milliarden Euro trotz Verkaufs von Dorotheum, Austria Tabak, Staatsdruckerei, Flughafen Wien, Böhler-Uddeholm, Telekom Austria, Postbus und Bergbauholding heute höher als im Jahr 2000, wo die damals 14 Beteiligungen nur 5,035 Mrd. Euro auf die Waage brachten.

Angenehmer Nebeneffekt

Weil nun der Zinsendienst für die Schulden wegfällt, kann die ÖIAG ihre Einnahmen direkt ans Budget weiterreichen, was heuer 255 Mio. Euro ausmacht. Finanztechnisch dürfte die Schuldenfreiheit daher eine theoretische sein, denn die ÖIAG wäre ein schlechter Kaufmann, würde sie billige Kredite vorzeitig zurückzahlen, um hinterher mehr Steuern abzuliefern.

Post soll 2006 an die Börse gehen

Bei so viel Erfolg drängt der Finanzminister nun auf weitere Privatisierungen, etwa bei den Ländern und natürlich bei Post und Telekom Austria (TA). Bei der Post AG kann er sich einmal mehr einen Börsengang im Frühjahr 2006 vorstellen – obwohl Bundeskanzler Wolfgang Schüssel derartige Pläne angesichts der Unsicherheiten in der Regierung bereits vor Wochen zurückgestellt haben soll. Die Entscheidung soll laut ÖIAG im Herbst fallen. Zuvor muss freilich der Privatisierungsauftrag geändert, ein neues Postgesetz beschlossen und der Wirbel um die Postämter-Schließungen beendet sein.

Dass er dem gelben Riesen bis 2006 jährlich mindestens 36 Millionen Euro Dividende abknöpfen will, wie Grasser auf Anfrage der Grünen freimütig einbekannte (der Standard, 11. 1. 2005) betrachtet selbiger selbst im Vorbörsenstadium naturgemäß nicht als unbotmäßig: "Der Eigentümer hat ein Recht auf eine Dividende, wie das alle Aktionäre haben." (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.4.2005)

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    Finanzminister Grasser freut sich: Die ÖIAG ist bald schuldenfrei - Die Post soll 2006 an die Börse gebracht werden

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