Soravia-Sender tv.münchen ist insolvent

3. Mai 2005, 14:46
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Insolvenzantrag "logische Folge" von Lizenzentzug, um neue Partner mit Auffanggesellschaft zu finden

Der Privatsender tv.münchen ist pleite. Die "tv.münchen Das Stadtfernsehen Programmgesellschaft mbH" habe am Donnerstag beim Amtsgericht München Insolvenzantrag gestellt, sagte Gerichtssprecher Bernhard Schneider und bestätigte damit einen Bericht des Schweizer Mediendienstes Klein Report.

Soravia am Sender zu 39 Prozent beteiligt

An tv.münchen ist der österreichische Unternehmer Hanno Soravia noch zu 39 Prozent beteiligt, bestätigte die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien (BLM) auf Anfrage.

Soravia war 2002 bei dem Fernseh-Sender eingestiegen, der früher zum Kirch-Konzern gehört hatte und nach dessen Zerfall auf Investorensuche gewesen war. 60 Prozent hält nach wie vor der Kirch-Sohn Thomas. Auch bei tv.berlin hatte sich Soravia damals engagiert. In Österreich waren seine TV-Ambitionen dagegen nicht von Erfolg gekrönt: Er bewarb sich mit der Kanal 1-Gesellschaft sowohl um die Zulassung für bundesweites Fernsehen als auch für eine Regionallizenz in Wien, kam aber in beiden Verfahren nicht zum Zug.

Im Jänner dieses Jahres hatte die BLM die Zulassung von tv.münchen widerrufen, zugleich aber bis zum 30. Juni 2005 eine Übergangsfrist eingeräumt. Die Behörde hatte zuvor vom Sender eine "genehmigungsfähige Gesellschafterstruktur" eingefordert, die Gesellschafter sollen laut BLM "lokal verwurzelt und zur Kooperation mit bisher im Sendegebiet genehmigten Anbietern bereit" sein. Eine entsprechende gesellschaftsrechtliche Neuordnung sei aber nicht vorgelegt worden, wurde der Widerruf der Lizenz begründet.

"Weitere Aktivitäten" mit tv.münchen geplant

Auch nach dem Konkursantrag tv.münchen plant die Soravia-Gruppe "weitere Aktivitäten" mit dem Sender, wurde am Donnerstag in einer Stellungnahme betont. Der Antrag sei eine "logische Folge" des Lizenzentzugs und ein notwendiger Schritt, "um neue Partner für eine zukünftige Zusammenarbeit zu gewinnen".

"Auf Grund der Tatsache, dass die Behörde zur Auflage gemacht hat, dass örtliche Gesellschafter mit eingebunden werden, werden derzeit mit potenziellen, lokal verwurzelten Partnern bereits konkrete Gespräche geführt", hieß es weiter. Man werde "sofort eine schuldenfreie Auffanggesellschaft" gründen, um diese neuen Partner einzubinden und "die besten Arbeitnehmer umgehend wieder einstellen zu können". An dieser Gesellschaft möchte die Soravia Gruppe rund 15 Prozent halten. Abschließend wurde betont, dass die zu rund 40 Prozent und damit minderheitlich beteiligte Soravia Gruppe "in keinster Weise von Haftungen oder Verbindlichkeiten betroffen" sei. (APA/dpa)

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