Auszüge aus dem Testament von Johannes Paul II.

13. Mai 2005, 11:33
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"In Deine Hände, o Herr, lege ich meinen Geist."

Rom/Wien - Der Vatikan hat das Testament von Johannes Paul II. in italienischer und polnischer Sprache veröffentlicht. "Radio Vatikan" hat Auszüge daraus ins Deutsche übersetzt, die "Spiegel Online" am Donnerstag publizierte.

6. März 1979:

Ich danke allen. Alle bitte ich um Vergebung. Und ich bitte auch um Euer Gebet, damit die Barmherzigkeit Gottes sich als größer erweist als meine Schwäche und Unwürdigkeit.

Ich hinterlasse keine Eigentümer, über die zu verfügen notwendig wäre. Was die Dinge des täglichen Bedarfs betrifft, bitte ich, sie so zu verteilen, wie es angemessen erscheint. Die persönlichen Aufzeichnungen sollen verbrannt werden. Ich möchte, dass darüber Don Stanislao (Dziwisz) wacht, dem ich für die Zusammenarbeit sowie für die so lange währende und so verständnisvolle Hilfe danke. Was die Beerdigung betrifft, wiederhole ich dieselben Anordnungen, die der Heilige Vater Paul VI. getroffen hat. (An dieser Stelle eine Randnotiz vom 13. März 1992: ein Erdgrab, kein Sarkophag.)

24. Februar bis 1. März 1980:

Jeder muss die Aussicht auf den Tod vor Augen haben. Und bereit sein, sich dem Herrn und Richter zu zeigen, der zugleich Erlöser und Vater ist. (...) Noch einmal möchte ich mich vollkommen der Gnade des Herrn anvertrauen. Er selbst wird entscheiden, wann und wie ich mein irdisches Leben und mein seelsorgerliches Amt beende.

5. März 1982:

Das Attentat auf mein Leben am 13. Mai 1981 hat auf gewisse Weise die Exaktheit der Worte bestätigt, die ich während der Exerzitien 1980 (24. Februar bis 1. März 1980) schrieb.

5. März 1982:

Zu dem Satz: "Den Ort der Beerdigung sollen das Kardinalskollegium und die Landsleute entscheiden" möchte ich erklärend hinzufügen: Der Metropolit von Krakau oder der Generalrat des Episkopates von Polen - das Kardinalskollegium bitte ich dagegen, die Wünsche der oben genannten soweit wie möglich zu berücksichtigen.

12. bis 18.März 2000:

Nach den Plänen der Vorsehung wurde es mir gegeben, im schwierigen Jahrhundert zu leben, das jetzt in die Vergangenheit eingeht, und jetzt, in dem Jahr, in dem mein Leben das achtzigste Jahr erreicht ("octogesima adveniens"), muß man sich fragen, ob es nicht Zeit ist, mit dem biblischen Simeon zu sagen: "Nunc dimittis". (Erklärung des Übersetzers: "Nun läßt du, Herr, deinen Diener, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden, denn meine Augen haben dein Heil gesehen...")

Am Tag des 13. Mai 1981, dem Tag des Attentats auf den Papst während der Generalaudienz auf dem Petersplatz, hat mich die Göttliche Vorsehung auf wunderbare Art vor dem Tod bewahrt. Jener, der einziger Herr über Leben und Tod ist, hat allein mir dieses Leben gerettet, ja auf gewisse Weise hat er es mir wiedergeschenkt - es gehört von jenem Moment an noch mehr Ihm. Ich hoffe, dass Er mir hilft zu erkennen, bis wann ich meinen Dienst fortsetzen soll, zu dem Er mich am 16. Oktober 1978 berief. Ich bitte Ihn, mich zu sich zu rufen, wann Er es will. Ich hoffe auch, dass solange es mir gegeben ist, den Petrusdienst in der Kirche zu leisten, die Göttliche Vorsehung mir die nötige Kraft für diesen Dienst gibt.

Wie jedes Jahr während der Exerzitien habe ich mein Testament vom 6. März 1979 wieder gelesen. Ich halte an den Verfügungen fest, die darin enthalten sind.

Im Lauf der mehr als 20 Jahre, die ich das Petrusamt ausübe, habe ich die wohlwollende und überaus fruchtbare Zusammenarbeit mit so vielen Kardinälen erfahren, mit Erzbischöfen und Bischöfen, Priestern, Personen d es geweihten Lebens und schließlich so vielen Laien. Wie nicht in dankbarem Erinnern alle Episkopate in der Welt umarmen! Wie nicht auch so vieler christlicher, nicht-katholischer Brüder gedenken! Und des Rabbi von Rom und so zahlreicher Vertreter der nicht-christlichen Religionen!

Je weiter sich das Ende meines irdischen Daseins nähert, kehre ich in Gedanken zurück an den Anfang, zu meinen Eltern, zum Bruder und zur Schwester (die ich nicht kannte, weil sie vor meiner Geburt starb), zur Pfarre von Wadowice, wo ich getauft wurde, zu jener Stadt meiner Liebe, zu den Altersgenossen und Klassenkollegen der Volksschule, des Gymnasiums, der Universität, bis zur Zeit der Besetzung, als ich Arbeiter war, zur Seelsorge für die Studenten, zu diesem Ambiente... zu all diesen Ambientes... zu Krakau und zu Rom... zu den Menschen, die mir auf besondere Weise vom Herrn anvertraut wurden. Allen will ich nur dieses eine sagen: "Gott möge euch belohnen."

"In Deine Hände, o Herr, lege ich meinen Geist." (APA)

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