Gedenken an die Befreiung der NS-Konzentrationslager

11. April 2005, 07:16
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Zentrale deutsche Gedenkveranstaltung im ehemaligen KZ Sachsenhausen - Mit Infografik

Sachsenhausen/Wien - Deutschland gedenkt am 17. April in einer zentralen Gedenkveranstaltung im ehemaligen NS-Konzentrationslager Sachsenhausen der Befreiung der Konzentrationslager durch alliierte Truppen im Jahr 1945. Mehr als 1000 Überlebende wurden eingeladen, an dem Gedenken an den Stätten ihres Leidens teilzunehmen. Seitens der deutschen Bundesregierung wird Außenminister Joschka Fischer (Grüne) erwartet.

Gleichzeitig wird der neugestaltete Gedenkort "Station Z" mit der dokumentarischen Dauerausstellung "Mord und Massenmord im KZ Sachsenhausen 1936-1945" seiner Bestimmung übergeben.

Viele Überlebende sollen zurückkehren

"Die Gäste kommen aus allen Teilen der Welt, vor allem aber aus Israel und Osteuropa", erläuterte der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch. "Es war unser großes Anliegen, dass 60 Jahre nach dem Ende der Herrschaft der SS nochmals möglichst viele der Überlebenden an die Orte zurückkehren können, die sich unvergesslich in ihr Gedächtnis eingeprägt haben." Für manche sei es der erste Besuch.

An der "Station Z", dem ehemaligen Krematorium, war bei Bauarbeiten die Asche von Häftlingen entdeckt worden. Sie soll in 150 Urnen von jeweils rund 30 Kilogramm an der Gedenkstätte beigesetzt werden, sagte Morsch. Anfang 1945 hatten die Nazis bereits Tonnen von Asche in den Teltow-Kanal geschüttet. In Sachsenhausen und Ravensbrück kamen mehrere Zehntausend Menschen aus allen von den Nationalsozialisten besetzten Ländern Europas ums Leben.

"Die ganze Welt befreit"

Für die Häftlinge sei das Kriegsende auf jeden Fall eine Befreiung gewesen, sagte Morsch. "Aber 1945 sind nicht nur die Konzentrationslager befreit worden, 1945 ist die ganze Welt befreit worden." Der Historiker rief zur Stärkung der Zivilgesellschaft auf, um Neonazis Paroli bieten zu können. Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus seien nach wie vor in ganz Europa präsent. Bei vielen Überlebenden habe sich deshalb Resignation ausgebreitet, sagte Morsch. "Sie fragen sich, ob sie mit ihrer Aufklärungs- und Erinnerungsarbeit gar nichts erreicht haben."

Russische und polnische Einheiten der Roten Armee hatten das KZ Sachsenhausen am 22. April 1945 erreicht und etwa 3.000 vorwiegend Alte und Kranke befreit. In den Wochen zuvor hatte die SS das Lager evakuiert, auf diesen Todesmärschen wurden noch tausende Häftlinge ermordet oder starben an Entkräftung.

Kurz nach der Machtergreifung hatten die Nationalsozialisten 1933 ein Konzentrationslager in Oranienburg nahe der Reichshauptstadt eingerichtet. Häftlinge aus anderen Lagern mussten 1936 Sachsenhausen errichten, das Modell für andere KZ wurde. Mehr als 200.000 Menschen waren bis 1945 dort interniert, zehntausende wurden ermordet. (APA)

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