Geschmackvolle Neutralität

14. Oktober 2005, 16:33
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Wodka wird in erster Linie aromatisiert und im Cocktail geschätzt. Die Version "pur" harrt ihrer Entdeckung

In Berlin wird er derzeit besonders geschätzt, was, so mutmaßen Barmänner, an der grundsätzlich "Ost-affinen Stimmung" in der deutschen Hauptstadt liegen mag. Im "weinseligen" Wien ist Wodka ein Randthema, das aber dennoch einigen Zulauf hat, nimmt man die nackten Verkaufsstatistiken als Messlatte (AlkoPops nicht mitgerechnet). Pur wird er nicht so häufig verlangt, aber er ist hoch geschätzter Bestandteil vieler Cocktails, weil er beispielsweise einen klassischen Wodka-Martini erst so richtig schön abrundet. James Bond mochte selbigen ja geschüttelt, nicht gerührt, was geschmacklich keinen Unterschied mache, wie in einer kanadische Studie festgestellt wurde. Aber geschüttelt sei der Cocktail angeblich sogar "gesund", weil er mehr freie Radikale binde. Jedenfalls bleibt der Atem nach Genuss der Spirituose kussfrisch. Und hat man des Guten (im Wortsinn) zu viel erwischt, ist der Kater halb so wild. Erzählt man sich.

Wodka hält die Spitze

Wodka, der trotz weltweiten Rückgangs des Spirituosenmarktes immer die Spitze hielt, schmeckt in aller Klarheit möglichst neutral. Gute Produkte sind mehrfach destilliert und werden auch mehrfach über Aktivkohle oder Milch ("Parliament Vodka") filtriert. Wichtig ist auch die Qualität des Wassers, mit dem die ursprünglich 96 Prozent Alkohol auf die üblichen 40 Prozent "herunterverdünnt" werden. Für Absolut Wodka beispielsweise, der an einer einzigen Produktionsstätte in Schweden erzeugt wird, verwendet man eisenfreies und entionisiertes Wasser.

Bekannte Marken im Trend

Der Trend gehe eindeutig zu den bekannten Marken, erklärt der Getränkehändler Wolfgang Frühbauer. "Die Qualität der bekannten großen Firmen steht einfach seit Jahren fest." Aber auch "Exoten" tauchen immer öfter auf: z.B. aus Nicht-Wodkaländern wie der in Frankreich destillierte Grey Goose. Oder hochwertige Erzeugnisse weniger bekannter Produzenten, die aber hochwertige Verfahren anwenden wie Belvedere, Luxus-Wodka aus Polen, der wie Whisky in Pot-Still-Brennbirnen anstatt in Brennkolonnen destilliert wird. Dessen Fruchtversionen Cytrus und Pomarancza werden mit Schalen von Zitronen und speziellen Orangensorten tagelang "mazeriert" (in Kontakt gebracht).

Der Löwenanteil der Gewinne rührt seit einigen Jahren vor allem von aromatisierten Wodkas her, die mitnichten eine Erfindung des ausgehenden 20. Jahrhunderts sind. Bereits im 15. Jahrhundert, als man begann, Getreide zu brennen, wurden Früchte und Kräuter beigemengt, um den Geschmack der Fuselöle zu übertünchen, die erst mit der Entwicklung der Technologie herausgefiltert werden konnten. Zubrówka-Wodka (polnisch zubr - Bison, Wisent) ist eine neuzeitlichere Form, die mit einem speziellen Ansatz aus Büffelgras aromatisiert wird. Äußeres Zeichen ist der Halm in der Flasche. Die zart lindgrüne Flüssigkeit schmeckt minzig-weich.

Anspruch auf Erfinderehren

Sowohl Russland als auch Polen erheben Anspruch auf Erfinderehren, was aber bis heute nicht ausdiskutiert ist. Polnische Wodkas haben eine exzellente Reputation, weil man ihnen - zu Recht oder Unrecht - große Reinheit und hochqualitative Ausgangsprodukte nachsagt. Basis guter Wodkas sind stärkehaltige Produkte wie Getreide, vorzugsweise Roggen, sie schmecken schlank, weich und süß. Kartoffeln, die in der Wodka-Evolution erst später verwendet wurden, geben dem Getränk eine gewisse Fülle und Kraft. Zuckermelasse wird als Grundstoff für Premium-Wodka nicht verwendet.

Wodka wird auch koscher hergestellt wie Nisskosher aus Polen (50 Prozent), "garantiert ohne Kartoffeln" und "nach polnischem Familienrezept", oder biologisch wie "Organic Wodka UK5". Auch in Österreich werden Kartoffelbrände erzeugt, z. B. von Böckl, dessen Produkt leicht nach kochenden Erdäpfeln riecht. Oder "Monopolowa", ein Kartoffel-Wodka, der zu Gänze exportiert wird und bei internationalen Verkostungen bestens bewertet wurde. (Luzia Schrampf/Der Standard/rondo/08/04/2005)

Berioska, Marc-Aurel-Str.9, 1010 Wien,
Tel.: 01 / 71240 95 (russische & ukrainische Wodkas)
Belvedere ab Mitte April in der gehobenen Gastronomie und im Lebensmittelhandel
Schönbichler; Bio-Supermarkt, Naschmarkt
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    foto: hersteller
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