Wiener Melange für Ost-Filialen

15. April 2005, 15:41
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Der Hamburger Kaffee- und Handelskonzern Tchibo lässt seine Filial-Expansion nach Tschechien, Polen und Russland von der Wiener Tochter Eduscho managen

"Wer in Wien Oper spielen will, muss zuerst in Brünn üben", zitiert Eduscho-Chef Harald Mayer alte Weisheiten aus der k. u. k. Welt. Den Deutschen gefällt offenbar dieser Zugang des Österreichers, deswegen hat die Hamburger Konzernspitze von Tchibo Wien zum Zentraleuropa-Headquarter gemacht, und Mayer zum Verantwortlichen für den Filial-Rollout.

Im Winter war wirklich die 400.000-Einwohner-Stadt Brünn/Brno als Teststandort dran, nun eröffnete Tchibo eine Filiale in einem neuen Einkaufszentrum an der nordöstlichen Peripherie der blühenden tschechischen Metropole. Bis Ende des Jahres wollen die Deutschen dann sechs bis zehn Standorte in Tschechien haben, sagt Peter Wolf, Vorstand der Tchibo GmbH, bei einer Präsentation in Prag. Danach stünden Polen, Russland und Ungarn auf dem Plan. In Osteuropa sind die Hamburger Kaffeeröster (Jahresumsatz 2004: voraussichtlich 3,5 Mrd. Euro) mit ihrem Stammprodukt seit 1991 vertreten. Nun soll das Gesamtsystem exportiert werden – also der Verkauf von Kaffee, passenden Snacks und dem wöchentlich wechselnden Warenprogramm in den eigenen Shops und auf gemieteten Flächen des Lebensmittelhandels sowie in Bäckereien – von der Kaffeetasse über die Strumpfhose bis zum Sportschuh und Liegestuhl, alles unter dem hauseigenen Label TCM.

160 Filialen in Österreich, 40 in der Schweiz

Bisher gibt es solche Shopsysteme außerhalb des Heimmarktes im großen Stil lediglich in Österreich und der Schweiz. Für beide ist Mayer seit 2001 verantwortlich. "In der Schweiz schreiben wir nach drei Jahren bereits mit dem schwarzen Stift." In der Schweiz hat man schon 40 Filialen, in Österreich 160. Eduscho wurde 1997 übernommen, der Markt wäre bei 170 bis 180 Filialen gesättigt. In Österreich wird unter anderem mit Spar kooperiert, in der Schweiz schaffte man dieser Tage die Vertragsunterzeichnung mit der Coop-Gruppe.

Dass Österreich nun "CEE-Zentrale" ist, bringe außer firmeninterner Ehre auch Jobeffekte. "Wir müssen ein Management-Team aufbauen, außerdem kommen die Verkaufsteams aus Osteuropa zu Schulungen zu uns, dafür brauchen wir Trainer." (Leo Szemeliker aus Prag, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.4.2005)

  • Bis zu zehn Filialen will der Tchibo-Konzern heuer in Tschechien entstehen lassen, als Nächstes steht Polen an. Im Bild das erste Outlet in Prag, im Einkaufs-Zentrum Cerny Most.
    foto: tchibo

    Bis zu zehn Filialen will der Tchibo-Konzern heuer in Tschechien entstehen lassen, als Nächstes steht Polen an. Im Bild das erste Outlet in Prag, im Einkaufs-Zentrum Cerny Most.

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