Rainier III: Ein Fürst, der seine Familie als Firma sah

25. Mai 2005, 16:34
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Rainier III. führte Monaco aus dem Status der Bedeutungslosigkeit heraus

"Seine Durchlauchtigste Hoheit Rainier III. ist an den Folgen der Bronchien- und Lungenentzündung sowie der Herz- und Nierenprobleme gestorben, die am 7. März seine Einlieferung ins Krankenhaus erforderlich machten." – Das war am 6. April die offizielle Erklärung des monegassischen Fürstenhauses zum Tod des dienstältesten Monarchen Europas.

Fürst Rainier III., der seit Jahren an Herz- und Lungenerkrankungen gelitten hatte, starb um 6.35 Uhr in einer Klinik nach einem langwierigen Todeskampf. Unter seiner Regentschaft wurde aus dem Zwergenstaat ein schillerndes Zentrum der Reichen.

Geboren wurde Rainier am 31. Mai 1923 als Sohn des Grafen Pierre-Xavier de Polignac, dem erst 1920 die monegassische Staatsbürgerschaft und der Name Grimaldi übertragen worden waren. An englischen und italienischen Nobelschulen erzogen, schloss Rainier seine akademische Ausbildung an der Ecole des Sciences Politiques in Paris ab, nachdem er im Zweiten Weltkrieg als Oberst Grimaldi der französischen Armee gedient hatte. 1949 übertrug ihm sein Großvater, Fürst Louis II., aus Gesundheitsgründen die Herrschaft, der damals 26-Jährige wurde der 33. Fürst von Monaco.

Damals war Monaco nicht mehr als eine Operettenmonarchie, die vom Glanz vergangener Jahre zehrte. Rainier änderte das mit dem ihm Eigen gewesenen Geschick für Publicity. 1956 heiratete er die 22-jährige Hollywood-Schauspielerin Grace Kelly, mit einem Schlag waren die Grimaldis im Fokus der Boulevardpresse. Rainier nutzte das bis zu seinem Lebensende, am liebsten sah er sich als "Leiter eines Unternehmens", der Firma Grimaldi mit dem Markenzeichen Monaco.

Als Fürstin Gracia Patricia brachte Kelly drei Kinder zur Welt, doch 1982 setzte ein Autounfall ihrem Leben jäh ein Ende. In der Folge standen die Kinder des Fürsten im Mittelpunkt öffentlichen Interesses. Die Prinzessinnen Caroline und Stéphanie reihten Amouren, Ehen und Skandale aneinander. Thronfolger Albert bewies sich als Partylöwe, ist aber mit seinen inzwischen‑ 47 Jahren noch immer unverheiratet.

Nach dem Willen Rainiers hat nun Albert die Regentschaft über Monaco. Sollte er kinderlos bleiben, käme nach ihm Carolines älterer Sohn, Prinz Andrea, an die nächste Stelle der Thronfolge.

Wie Rainier-Kenner meinen, war der Fürst seit jeher der der Überzeugung, sein Staat sollte bei allem Glamour nicht von einer Frau geleitet werden. (AFP, kps, DER STANDARD, Printausgabe, 7.4.2005)

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