Hauptstadtfernsehen

17. Mai 2005, 20:46
2 Postings

Alexandra Neldel, die in "Berlin, Berlin" als Esoterik-affiner Neuzugang Dienst tut, darf in "Verliebt in Berlin" ihren Chef anhimmeln ...

"Berlin, Berlin", ursprünglich höchst sympathische, mittlerweile in die Jahre gekommene ARD-Vorabendserie, sucht neuerdings Heil in der Rückbesinnung auf die eigene ruhmreiche Vergangenheit. Rückblenden sonder Zahl belegen, dass früher alles besser war.

Was den aktuellen Fortgang der Geschicke einer Berliner Wohn- und Lebensgemeinschaft betrifft, so herrscht offenkundig Ratlosigkeit - vorläufiger trauriger Höhepunkt der Flucht in Idiosynkrasien: Die Hauptfigur begegnet ihrem Autor, lernt ihre Darstellerin und den Kameramann kennen und setzt schließlich durch, dass ihre vorzeitig zu Tode gekommene Serienliebe wieder zum Leben erwacht.

Sat1 hat währenddessen ein Konkurrenzunternehmen gestartet, dieses "Verliebt in Berlin" genannt und mit dem sachdienlichen Hinweis "Telenovela" versehen. Alexandra Neldel, die in "Berlin, Berlin" seit einiger Zeit als Esoterik-affiner Neuzugang Dienst tut, hat hier eine Hauptrolle ergattert. Sie darf wochentäglich ab 19.15 Uhr als sprichwörtliches hässliches Entlein in einem Modeunternehmen ihren nicht besonders sympathischen, aber dafür immens gut aussehenden Chef anhimmeln. Und zwar so, dass sich die Balken biegen und man sich umstandslos in ein Wirtschaftswundermärchen aus den 1950er-Jahren zurückversetzt sieht.

Ganz nebenbei wird immerhin all jenen Aufklärung beschieden, die sich angesichts des 80er-Revivals schon länger die Frage stellten, was eigentlich aus Olivia Pascal wurde? Antwort: Seniorchef-Gattin. So kann's gehen. (irr/DER STANDARD; Printausgabe, 7.4.2005)

  • Artikelbild
    foto: sat.1
Share if you care.