Postwurf III - K. hat man beigebracht, dass er nicht mehr dort wohnt ...

7. April 2005, 19:11
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Es war gestern. Da hat K. den Beweis dafür bekommen, dass sich sein Briefträger nicht klein kriegen lässt ...

Es war gestern. Da hat K. den Beweis dafür bekommen, dass sich sein Briefträger nicht klein kriegen lässt. Und dass die Post einen der ihren nicht fallen lässt. K., hat man K. nämlich beigebracht, wohnt nicht mehr dort, wo er wohnt. Sagt jedenfalls sein Briefträger.

(Zur Vorgeschichte: K.s Briefträger hat – siehe Stadtgeschichte vom 30.März – beschlossen, in K.s Briefkasten Post zu deponieren, die an jemand völlig anderen adressiert ist. Anderer Name, andere Adresse. Dem Briefträger ist das egal. Und es dauert Tage, bis K. den Briefzusteller dazu bringt, den Irrläufer nicht täglich wieder in seinen Briefkasten zu legen.)

Gestern jedenfalls, schreibt K., habe er seine Steuerberaterin getroffen. Die erklärte K., dass es sinnvoll wäre, wenn ihr Mandant sie davon unterrichte, wenn er seinen Wohnort wechsle. K. war erstaunt: Er wohne dort, wo er seit Jahren wohne. Und denke gar nicht daran, zu übersiedeln.

Vermerk "verzogen"

Die Steuerberaterin legte einen Brief auf den Tisch: K. möge ihr erklären, wieso dieser Brief dann an sie zurück gekommen sei. Und zwar mit dem Vermerk "verzogen". Jetzt war K. baff – und wurde sauer.: Daran, dass Post, die nicht ins Postkastel passt, vom Briefträger prinzipiell aufs Postamt und nicht zu ihm getragen wird habe er sich ja schon gewöhnt. Auch daran, dass man bei der Post mit den Schultern zuckt, wenn er mit dem „sie waren nicht anzutreffen“-Zettel auftaucht und beteuert, den ganzen Tag in der Wohnung gewesen zu sein, habe er sich schon gewöhnt. Aber dass man ihn nun einfach ausquartiere sei doch etwas heftig.

Das, schreibt K., habe er dann – Brief und Meldezettel in der Hand - am Postamt dem Mann hinter dem Brief- und Paketausgabeschalter erklärt. Der habe geduldig zugehört – und sich dann für nicht zuständig erklärt: Er stehe am Schalter, die Zustellung sei ein anderer Bereich. Und weil von dort niemand da sei, möge K. ein anderes Mal wieder kommen. Damit habe der Schaltermann den nächsten Kunden herbei gewunken.

Salzamt

Er sei, gesteht K., dann ein bisserl explodiert. Ob das hier die Post oder das Salzamt sei, habe er gefragt. Und versucht, klar zu machen, dass es ihm egal sei, wer wofür zuständig sei ­ für den Kunden sei Post Post. Wie das intern geregelt sei, dürfe und könne nicht sein Problem sein. Daraufhin habe der Postmann den Brief an sich genommen: Ob er den dem Briefträger wieder geben solle – damit er in den nächsten Tagen korrekt zugestellt werden könne?

Da, sagte K., habe er aufgegeben: Gegen einen einzelnen Briefträger, meint er, könne er kämpfen. Aber wenn sich das ganze System gegen ihn verschwöre, sei er machtlos. Vielleicht, sagte K., werde er dem Wunsch der Post folgen – und umziehen. Aber vorher muss er seinen Briefträger treffen. Schließlich soll der K. sagen, wo er hinziehen soll.

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