Haiders Mann für die Orange

7. April 2005, 12:52
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Gernot Rumpold betreut die Marke Haider seit 15 Jahren - Startkapital von 100.000 Euro - "BZÖ" soll Wahlbündnis nach US-Vorbild werden

Wien - Das "Bündnis Zukunft Österreich" hat ein Geburtsdatum, es lautet: 31. März 2005, 16.05 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt ließ sich Gernot Rumpold die Domäne www.bzoe.at sichern. Kurz zuvor war er mit Noch-FPÖ-Generalsekretär Uwe Scheuch in seinem Büro in der Wiener Mahlerstraße nahe der Oper gesessen und hatte versucht, einen Parteinamen zu finden. "Bürgerbündnis Zukunft", "Österreich Patriotische Allianz", "Sozialfreiheitliche Offensive", "Offensive Zukunft", "Freie Liste Österreich", "Demokratische Allianz", ja sogar "Sozialliberale Union" - die Liste war lang.

Es ist kein Zufall, dass Rumpold an der Wiege der neuen Haider-Bewegung steht. Wann immer es galt, die Marke "Jörg" neu zu positionieren, war der gelernte Heizungsmonteur mit Gespür fürs Populistische zur Stelle. Von 1990 bis 1999 - mit Unterbrechungen - als Bundesgeschäftsführer, danach als Haus- und Hofwerber mit seiner Werbeagentur mediaConnection. Rumpold managte die "FPÖ", die "F" und nun eben das "BZÖ". Von seinem Büro aus wurden die Antrittspressekonferenz und der Online-Auftritt organisiert, er schaltete die von Anwältin Huberta Gheneff erarbeiteten BZÖ-Statuten im Amtsblatt der Wiener Zeitung, hier sitzen jene fünf Personen in einem gerade einmal 35 Quadratmeter großen Zimmer, das den "War-Room" (Rumpold) der neuen orangen Partei darstellen soll.

Anfang nächster Woche soll die Truppe in ein 160 Quadratmeter großes Domizil am Kärntner Ring ziehen - im gleichen Häuserblock, in dem auch Rumpold residiert. Und natürlich hat Rumpold dieses Büro angemietet, genauso wie er es ist, der den am 15. oder 17. April stattfindenden BZÖ-"Bundeskonvent" in Salzburg ausrichten wird.

Das Mitglied aus Haiders einstiger Buberlpartie ist gut im Geschäft - bei den Blauen wie bei den Orangen. Für die Rest-FPÖ unter Interimsobmann Hilmar Kabas lieferte er vor wenigen Tagen das Design für den Parteitag am 23. April ab. Honorar für das Gesamtpaket: 25.000 Euro. Sein momentanes Budget bei den Orangen ist viermal so hoch. "Für 100.000 Euro stehe ich grad", sagte der Kärntner Landeshauptmann am Sonntag letzte Woche zu ihm, als Rumpold mit Haider und Scheuch die letzten Details für die Neugründung besprach. Rund 50.000 Euro an Agenturleistung hat Rumpold bislang "vorfinanziert".

Vorbild "Bündis 98"

Bündnis, Konvent, Plattformen, als Symbol eine Orange - das BZÖ gibt sich bewusst fern von klassischen Parteistrukturen. Rumpolds Vorbild ist das - zu Recht - längst in Vergessenheit geratene "Bündnis 98", das Haider Anfang der Neunzigerjahre ins Leben rief, um seine damals noch für 1998 geplante Machtübernahme als Kanzler vorzubereiten. "Bündniskarte" statt altmodischen Parteibuchs, hieß es damals. Beim ÖZB gibt es nur noch elektronischen Wählerkontakt per SMS und E-Mail.

Anleihen wollen die Orangen auch bei US-Wahlkämpfen nehmen, die viel stärker auf Ad-hoc-Initiativen basieren denn auf Parteiapparaten. Rumpold ist sich sicher, dass der Zeitgeist und Haider diesmal eins sind: "Die Leute wollen sich nicht mehr binden, sie wollen sich wohl fühlen. Deshalb ist die Orange als Parteisymbol so ideal. Sie symbolisiert Urlaub, Sonne und Energie." Und Orangenhaut. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.4.2005)

  • Gernot Rumpold (Mitte)
    foto: standard/cremer

    Gernot Rumpold (Mitte)

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