"Paradies der Reichen"

25. Mai 2005, 16:34
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Monaco ist nicht vollständig souverän

Monaco - Das Fürstentum Monaco, dessen Beitritt zum Europarat bisher an Demokratiedefiziten seines politischen Systems gescheitert war, ist völkerrechtlich nicht vollständig souverän, da Frankreich sich vertraglich unter anderem das Recht gesichert hat, dem Fürsten den Regierungschef (Staatsminister) vorzuschlagen. Der Zwergstaat an der Cote d'Azur ist seit 1963 durch eine Zoll- und Währungsunion mit Frankreich verbunden. Neben dem Premier sind auch der Innen- und der Justizminister Franzosen, die meisten "sensiblen" Posten sind mit französischen Beamten besetzt.

Als Fürst Rainier III. 1949 als Nachfolger seines Großvaters den Thron bestieg, war Monaco nicht mehr als eine Operettenmonarchie, die vom nostalgischen Glanz der Vergangenheit zehrte. Die Eigenständigkeit der Herrschaft Monaco unter dem einstigen genuesischen Seeräuber-Geschlecht Grimaldi wurde 1512 vom französischen König Ludwig XII. anerkannt. 1612 wurden die Herren von Monaco in den Fürstenstand erhoben.

Florierender Finanzplatz

Rainier machte aus seinem Erbe einen florierenden Finanzplatz. In Monaco haben zahlreiche Bankhäuser mit hohen Depotsummen ihren Sitz; die große Mehrheit der Bankkonten gehört Firmen oder Privatkunden, die nicht in Monaco ansässig sind. Das "Paradies der Reichen" mit einer Größe von 195 Hektar will ein ganz normaler Staat sein. Nach der Verfassung von 1962 ist der Zwergstaat eine konstitutionelle Erbmonarchie.

Das Haus Grimaldi starb bereits 1731 aus. Der heute regierende Fürst führt zwar den Namen des Geschlechts, entstammt aber dem gräflichen Zweig der Familie Polignac, deren Oberhaupt seit 1780 die Herzogswürde zusteht. Stammvater der Grimaldis war Otto Canella, 1133 Konsul in Genua, dessen Sohn Grimaldo der Familie den Namen gab. Nach dem Tod des letzten Grimaldi, Antoine I., nahm dessen Schwiegersohn Jacques-Francois de Goyon-Matignon Namen und Wappen des Fürsten an. Seine Nachkommen wurden 1793 nach der französischen Revolution vertrieben und konnten ihr Fürstentum erst 1814 wieder in Besitz nehmen.

Fürst Louis II. (1870-1949), vor seiner Thronbesteigung 1922 französischer Divisionsgeneral, hatte als einziges Kind eine 1898 in Algerien geborene uneheliche Tochter, Charlotte-Louise Louvet, die er 1919 legitimierte und 1922 zur Erbprinzessin erhob. Sie heiratete 1920 den Grafen Pierre-Xavier de Polignac aus französischem Uradel. Ihm wurde bei dieser Gelegenheit die monegassische Staatsbürgerschaft verliehen und der Name Grimaldi mit dem Herzogstitel von Valentinois übertragen. Dieser - 1933 geschiedenen Ehe - entspross Rainier, der am längsten regierende Monarch der Welt. Am 9. Mai 1949 trat Rainier als 33. Fürst von Monaco die Nachfolge seines Großvaters Louis II. an. (APA)

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