Statt Stierhoden nur mehr Haute Cuisine

25. April 2005, 14:30
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Kochen mit Freunden: TV entdeckt die biedere Welt, im ORF wird vielleicht bald getanzt

Fernsehzuschauer mit empfindlichem Magen dürfen erleichtert aufatmen: Nach Maden, Aalschleim und Stierhoden kommen demnächst nur noch echte Delikatessen auf den Tisch. Auf der Suche nach dem TV-Trend des Jahres sind die Sender in der Küche fündig geworden.

"Teufels Küche"

Neuerdings werden die Gerichte von Halbprominenten serviert. Zum Beispiel beim ehemaligen Ekelshowsender RTL. Ab 8. April müssen DJ Ötzi, Karl Dall, Patrick Lindner und sieben andere Laienköche zwei Wochen in "Teufels Küche". Haubenkoch Christian Rach beobachtet und urteilt nach Möglichkeit streng. Das tat auch der cholerische Küchenchef des britischen Vorbilds "Hell's Kitchen". Und vergraulte damit einen Kandidaten innerhalb von 24 Stunden. Für Nachschub war schnell gesorgt, die Quote des bis dahin eher mauen Formats ging flott aufwärts.

Heimwerker, Kinderbetreuung, Tierpflege ...

Zielstrebig richtet sich das Fernsehen in den vier Wänden der Einfamilienhäuser ein: Heimwerker, Kinderbetreuung, Tierpflege, Kochen und hausbackene Telenovelas. Das ist nicht nur häuslich, sondern schon bieder und entspricht der gegen null gehenden Risikobereitschaft von Sendern und Werbetreibenden. Die Flops der vergangenen Saison sind nicht spurlos vorübergegangen. "Bachelor", "The Swan" oder "Fear Factor" wird es so bald nicht geben.

Doch zurück zum Herd: Ab 12. April blicken Ralf Zacherl, Martin Baudrexel und Mario Kotaska auf RTL 2 in die Küchen von Landgasthöfen. Missstände werden von den "Kochprofis" behoben: Sie räumen auf, motivieren lahme Köche und verschönern das Restaurant. Der frühere Pro Sieben-Koch Zacherl legt ab 7. Mai für das ZDF die Schürze um. "Calli kocht", heißt es beim Spartensender TV Gusto: Der ehemalige Fußballmanager kocht einmal pro Woche mit Haubenkoch und Prominenz. Dieser Versuchung kann auch Latenighttalker Johannes B. Kerner nicht widerstehen: Freitags tauscht er mit Spitzenköchen Rezepte.

Als ob es nicht schon genug Kochsendungen gäbe: An manchen Tagen bis zu 14 im deutschsprachigen Fernsehen. Zur guten Quote kommt die Möglichkeit günstigen Crossmedia-Marketings: Damit lassen sich zusätzliche Erlöse erzielen. Vox-Koch Tim Mälzer etwa verkaufte sein Kochbuch mehr als 500.000-mal. Der "Vater" der Kochmanie, Jamie Oliver, freut sich über weltweit acht Millionen verkaufte Bücher.

"Strictly Come Dancing"

Die Engländer, seit jeher schon Liebhaber von Haus-und Garten-TV, geben die Richtung vor. Bald könnte es noch mehr vom trauten Lebensglück geben: In der BBC-Show "Strictly Come Dancing" wird dem Paartanz gefrönt. Eine Idee, die auch dem ORF gefällt: "Wir denken darüber nach." (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 6.4.2005)

  • Starkoch Christian Rach mit Giovanni, DJ Ötzi, Jörg Knörr, Patrick Lindner und Karl Dall (v.li.n.re.)
    foto: der standard

    Starkoch Christian Rach mit Giovanni, DJ Ötzi, Jörg Knörr, Patrick Lindner und Karl Dall (v.li.n.re.)

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