Sieben Personen suchen einen Job

4. April 2005, 20:18
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Den "Club der Enttäuschten" versammelt Regisseur Gernot Plass im Wiener WUK Theater

Boris Becker hat schon gesagt "Wer sich bewegt, ist abends müde und kommt nicht auf dumme Gedanken" und sehnt sich seither auf den Court zurück. Seine These steht dem neuen Theaterstück von Felicia Zeller vor und lässt daraus den Schluss folgern: Müde wird nie, wer arbeitslos ist. Und die dummen Gedanken sprießen!

Zumindest in ihrem Club der Enttäuschten, der Arbeitssuchende zum gruppendynamischen Training für den großen Wettbewerb versammelt (drei Hometrainer, ein Kopierer, zwei Liegen und jede Menge Stühle). Regisseur Gernot Plass reduziert gemeinsam mit Dramaturgin und Coregisseurin Paula Artkamp bei der österreichischen Erstaufführung den schwer befrachteten Text um alle charakterlichen Rede- bzw. Handlungsstränge zu einem kleinen "Sportstück". In einer in kühles Licht getauchten Büroarena von Gudrun Lenk begeben sich sieben Personen zwischen (auch chorischen) Sprechspiralen dem Arbeitslosen-Mambo hin.

Zellers Text ist im Kontext von Kolleginnen wie Kathrin Röggla oder Gesine Dackwart ambitioniert (und nicht unwitzig), und doch bleibt der Abend, an dem Regisseur Plass sein Handwerk gewiss beherrscht, eigentümlich unverbindlich. Wie ein abgekartetes Spiel, das keine Augenblicke mehr gestattet. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 05.04.2005)

WUK Theater
9., Währinger Str. 59
01/40 121-70
Bis 9. April
20 Uhr

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    foto: urtheater
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