Khatami: "Wir teilen die Ängste vor Atomwaffen"

8. April 2005, 12:01
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Irans Präsident Khatami betont beim Staatsbesuch in Wien die zivile Natur des iranischen Nuklearprogramms

Wien Mit einer für einen Arbeitsbesuch ungewöhnlich großen Delegation – erklärbar vielleicht dadurch, dass Wien nur Durchgangsstation auf der Reise nach Paris war – war der iranische Präsident Mohammed Khatami Montagfrüh in Wien eingeritten; in den paar Stunden seines Aufenthalts traf er Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Nationalratspräsident Andreas Khol und nahm ein Arbeitsmittagessen bei Fischer im kleinen Kreis ein.

Thema des Essens war der von Khatami so geschätzte "Dialog der Kulturen" – das mitten im heiklen Streit um das iranische Atomprogramm auch für die Österreicher ein willkommen eskapistisches gewesen sein mag. Nach Paris führt Khatami eine Konferenz ebenfalls rund um Interkulturelles. Die politischen Mühen wird der Präsident ohnehin bald hinter sich gelassen haben, im Juni wird er abgewählt.

Fischer betonte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz jedoch, dass man kein brisantes Thema ausgelassen habe: die Vermittlungsversuche der EU-3 (Frankreich, Großbritannien, Deutschland) im Atomstreit, Syrien/Libanon, der israelisch-palästinensische Normalisierungsprozess, in dem, so Fischer, "gute und faire Ergebnisse" vom Iran begrüßt werden würden.

Khatami nannte die Gespräche mit den EU-3 als Beispiel für die gute Zusammenarbeit mit der EU und zeigte sich zuversichtlich, dass es zu einer Lösung kommen werde, die das iranische "Recht auf eine friedliche Nutzung der Kernenergie" berücksichtige. Der Iran teile die Ängste der ganzen Welt vor Atomwaffen und Massenvernichtungswaffen überhaupt.

Der Iran verfolge die Atomkraft als umweltfreundliche moderne Technologie – man müsse das Erdöl, das nicht ewig verfügbar ist, für die nächsten Generationen aufbewahren, und "wir wollen nur tun, was uns nach internationalem Recht zusteht". Khatami ersuchte um "Unterstützung" beim Ausbau der iranischen Kernenergie – was in der (nicht immer sehr schlüssigen) Übersetzung wie ein Geschäftsangebot klang.

Lob der Demokratie

Angesprochen auf die Situation im Irak drückte der Präsident, dessen Sympathien für den iranisch-irakischen Ayatollah Ali Sistani bekannt sind, seine volle Unterstützung für den demokratischen Kurs des Landes aus. Er betonte, dass der Irak mit seiner vielfältigen Gesellschaft eine Regierung brauche, die die Interessen aller wahrnehme, nicht nur die einer Gruppe.

Wie bereits zuvor in einer Reaktion am Wochenende drückte Khatami wieder sein Bedauern über das Ableben von Johannes Paul II. aus und nannte den Besuch beim Papst 1999 einen der Höhepunkte seiner Amtszeit. (guha/DER STANDARD, Printausgabe, 5.4.2005)

  • Der iranische Staatspräsident Mohammad Khatami auf Besuch bei Bundespräsident Heinz Fischer in Wien.
    foto: christian fischer

    Der iranische Staatspräsident Mohammad Khatami auf Besuch bei Bundespräsident Heinz Fischer in Wien.

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