Des Fußballs schrecklichster Abend

11. April 2005, 22:21
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20 Jahre nach dem Heysel-Drama treffen Juventus und Liverpool erstmals aufeinander - Platini: "Hatte nichts mit Fußball zu tun"

Wien - Der kontinentale Fußball wird in dieser Woche an den schwärzesten Tag seiner Geschichte erinnert. 20 Jahre nach der Tragödie im Brüsseler Heysel-Stadion treffen der FC Liverpool und Juventus Turin am Dienstag Abend im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League in einer Europacup-Begegnung erstmals wieder aufeinander.

Am 29. Mai 1985 wurden vor dem damaligen Finale im Meistercup 39 Fans (38 Italiener und ein Belgier) getötet und rund 400 teils schwer verletzt, als nach einer von englischen Fans ausgelösten Schlägerei auf den Rängen der Brüsseler Arena eine Mauer einstürzte.

Drastische Strafen

Seit den 70er Jahren hatten englische Hooligans in Europa für Schrecken rund um Fußball-Spiele gesorgt. Betrunken, mit Steinen und Messern bewaffnet waren die gewaltbereiten Engländer ins baufällige Heysel-Stadion gezogen, wo es - begünstigt durch verheerende organisatorische Mängel - zur Tragödie kam. Als Konsequenz der Ausschreitungen wurden englische Vereine fünf, Liverpool sogar sechs Jahre von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen, Belgien durfte zehn Jahre lang kein Europacup-Finale austragen.

Die UEFA hatte trotz der Tragödie entschieden, das Spiel mit 1:25 Stunden Verspätung anzupfeifen. Der Europa-Verband begründete die Entscheidung damit, dass man eine noch größere Tragödie verhindern wollte. Man wollte die Fans im Stadion unter Kontrolle halten und den Behörden Zeit geben, Reserve-Einheiten zu mobilisieren. Juve gewann den Europacup damals dank Michel Platinis Elfmeter-Tor 1:0.

Schock-Erlebnis für Platini

"Diese Nacht hatte nichts mit Fußball zu tun", sagt heute Platini, der nur sehr ungern über Heysel spricht. "Ich kann mir die Bedeutung der Auslosung für alle jene, die einen Sohn, Eltern oder einen Freund verloren haben, vorstellen. Aber es ist Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Wir sollten es in einer Art und Weise machen, dass Liverpool gegen Juventus ein Fest ist, so wie es auch damals hätte sein sollen", erklärte der Franzose.

Im Heysel-Stadion wurde nach dem 29. Mai 1985 nie mehr Fußball gespielt. Nachdem die Arena einige Jahre leer gestanden war, wurde sie zum König-Baudouin-Stadion umgebaut. (APA/dpa/Reuters)

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    39 Tote und 400 Verletzte lautete die schreckliche Bilanz des Heysel-Dramas.

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